Von nun an geht es definitiv nur noch weiter bei:
http://efdm.wordpress.com/
Jul 12, 2010
Jun 22, 2010
1 Gedicht/Tag
Dies sei mein Ruhm, den ich suche:
Zu finden auf meinem Weg eine Stelle,
die mich verschlingt, und doch an mir
und um mich nichts zu ändern
und nicht zu stocken meinen Schritt.
Schleiermacher
Zu finden auf meinem Weg eine Stelle,
die mich verschlingt, und doch an mir
und um mich nichts zu ändern
und nicht zu stocken meinen Schritt.
Schleiermacher
Jun 20, 2010
Jun 15, 2010
May 12, 2010
the happening world
Schläfrige Stunden in der Bibliothek neben dem Springbrunnen, ein Irren durch die Essensausgaben der Mensa, Stunden in Cafés angefüllt mit Kaffee bis ganz obenhin, ein schwüles Wetter, erste Tropfen....
In der S-Bahn lese ich einen Artikel über eine Therapeutin in Berlin, die die Hälfte ihrer Patienten online betreut. Fast 100 % ihrer Kunden sind aber aufgrund von Problemen da, die online überhaupt erst möglich sind. Ein Student hängt an seiner Ex-Freundin fest, die ihm per Chat das Ende der Beziehung erklärt hat. Auf StudiVZ und anderswo verfolgt er sie noch und verbringt ganze Nächte in Foren, wo über Trennungsschmerzen geredet wird. Eine junge Frau wird mit ihren Partnern, die sie über eine Online-Vermittlungsagentur bekommt, nicht glücklich. Sie sucht jede Woche einen Neuen. Ein Mädchen hat bei Facebook über den Beziehungsstatus ihres (Ex-)Freundes erfahren, dass er nichts mehr von ihr will (auf "Single" geändert). Eine Woche später stand wieder "vergeben" dort. Das Mädchen will sich jetzt umbringen.
Mir fällt ein schönes Zitat ein, das aus einer Welt zu kommen scheint, in der es solche Probleme noch nicht gab, oder in der sie wenigstens nichts zur Sprache kamen. Es geht um einen Mann, der sich in eine wunderschöne Frau verliebt hat. Sie zieht nach Berlin, er träumt von ihr, möchte sie besuchen. Und denkt an all die anderen Männer in Berlin, die ihr wohl auf den Fersen sind:
«Wahrscheinlich ist ganz Berlin-Mitte hinter ihr her, auf Klapprädern, mit Pilotenbrillen.»
Ich schliesse die Augen, schreibe in Gedanken schon an der nächsten Buchrezension, und versuche, mir die ganzen krankmachenden Eigenschaften des Internets nicht vorzustellen. Um mich herum sitzen die anderen S-Bahn-Gäste in der stickigen Luft, wir rauschen am Westhafen vorbei. Ich schliesse die Augen ganz fest und wünsche mir, die Prenzlauer Allee herunterzutorkeln, in eine handfeste, analoge Wohnung zu kommen, ohne digitale Probleme einschlafen zu können.
In der S-Bahn lese ich einen Artikel über eine Therapeutin in Berlin, die die Hälfte ihrer Patienten online betreut. Fast 100 % ihrer Kunden sind aber aufgrund von Problemen da, die online überhaupt erst möglich sind. Ein Student hängt an seiner Ex-Freundin fest, die ihm per Chat das Ende der Beziehung erklärt hat. Auf StudiVZ und anderswo verfolgt er sie noch und verbringt ganze Nächte in Foren, wo über Trennungsschmerzen geredet wird. Eine junge Frau wird mit ihren Partnern, die sie über eine Online-Vermittlungsagentur bekommt, nicht glücklich. Sie sucht jede Woche einen Neuen. Ein Mädchen hat bei Facebook über den Beziehungsstatus ihres (Ex-)Freundes erfahren, dass er nichts mehr von ihr will (auf "Single" geändert). Eine Woche später stand wieder "vergeben" dort. Das Mädchen will sich jetzt umbringen.
Mir fällt ein schönes Zitat ein, das aus einer Welt zu kommen scheint, in der es solche Probleme noch nicht gab, oder in der sie wenigstens nichts zur Sprache kamen. Es geht um einen Mann, der sich in eine wunderschöne Frau verliebt hat. Sie zieht nach Berlin, er träumt von ihr, möchte sie besuchen. Und denkt an all die anderen Männer in Berlin, die ihr wohl auf den Fersen sind:
«Wahrscheinlich ist ganz Berlin-Mitte hinter ihr her, auf Klapprädern, mit Pilotenbrillen.»
Ich schliesse die Augen, schreibe in Gedanken schon an der nächsten Buchrezension, und versuche, mir die ganzen krankmachenden Eigenschaften des Internets nicht vorzustellen. Um mich herum sitzen die anderen S-Bahn-Gäste in der stickigen Luft, wir rauschen am Westhafen vorbei. Ich schliesse die Augen ganz fest und wünsche mir, die Prenzlauer Allee herunterzutorkeln, in eine handfeste, analoge Wohnung zu kommen, ohne digitale Probleme einschlafen zu können.
May 6, 2010
the happening world
Was tut man, wenn Regen niederfällt wie Bindfäden, die Arbeit an der kommenden Ausgabe des tollen Campus-Magazins vor sich hin dümpelt und zu allem Überfluss auch noch die Schwalbe mit unbekanntem Problem in der Werkstatt steht? Richtig, man geht los und beschafft sich Lektüre beim Buchhändler um die Ecke. Diesmal Platon (für die Ideengeschichte-Vorlesung am Politikwissenschafts-Institut) und Richters "Bettermann", ein zynischer Abklatsch der Verhältnisse zwischen Bildung, Politik und Wirtschaft in Deutschland, die auch ich im Artikel "Die Beziehungskiste" behandle, welcher Aufmacher sein wird in der vierten Ausgabe von FURIOS. Er handelt von personifizierten Institutionen, besagte Bildung, Wirtschaft und Politik, dazu gesellen sich Verwaltung, Geschichte und der Zeitgeist, ein struppiger Geselle, der mit all den althergebrachten Begriffen nichts anzufangen weiss. "Moderne Hochschule", die Tochter von Wirtschaft und Bildung schliesslich, fühlt sich in dem Kreuzfeuer aus wechselnder Einflussnahme und Ausbeutung verloren. Und davon handelt die Geschichte.
May 1, 2010
Apr 25, 2010
Apr 20, 2010
1 Gedicht/Nacht
«Die Werbeagentur Scholz&Friends hat wenig Glück mit dem Timing einer Kampagne. Ein Vulkan, der Asche speit, ist der Mittelpunkt eines aktuellen Werbespots für einen Siemens-Staubsauer. Das Gerät saugt die Aschewolke sofort und mühelos wieder ein. Auch wenn diese Bilder bei so manchem Aschegeschädigten auf wenig Begeisterung stossen dürften, soll der Film weiterhin im Fernsehen zu sehen sein. Schon im Januar hatte Scholz&Friends Pech: Damals wurde ein Spot für das deutsche Handwerk gestoppt, weil darin reihenweise Gebäude zusammenstürzten - ausgerechnet, als in Haiti die Erde bebte.» /faz.
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«Viele junge Bosnier&Herzegowiner nahmen an den Balkankriegen teil; sie schwammen über die Drina oder überquerten die montenegrinische Grenze bei Nacht, um bei den Freiwilligencamps anzuheuern, die wie Pilze aus dem Boden schossen und der serbischen Armee als Vorposten dienten bei ihrer Eroberung von Mazedonien. Jene Bosnier aber, die Zuhause blieben, sollten als Attentäter für immer unbrauchbar bleiben.»
Rebecca West über die Zeit vor dem Attentat in Sarajevo, 1914.
Rebecca West über die Zeit vor dem Attentat in Sarajevo, 1914.
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Es ist lange her, seit vom Fahrrad mit Seltenheitswert berichtet wurde. Hier ist es nun endlich, frisch geputzt und bereit für den Frühling:
Weil die Frühlingsgefühle auch bei mir grenzenlos sind, hat das Fahrrad mit Seltenheitswert nun eine Schwester, oder eher eine Konkurrenz bekommen. Sie ist etwas jünger, und ich werde damit vermutlich etwas älter, weil ich mich nicht mehr so viel bewege.
Weil die Frühlingsgefühle auch bei mir grenzenlos sind, hat das Fahrrad mit Seltenheitswert nun eine Schwester, oder eher eine Konkurrenz bekommen. Sie ist etwas jünger, und ich werde damit vermutlich etwas älter, weil ich mich nicht mehr so viel bewege.
Apr 13, 2010
1 Gedicht/Tag
Entgleite nicht
Wer hätte damals das gedacht!?
Von mir!? — Wie war ich davon weit!
Dann stieg ich, stiegen wir zu zweit
Und sagten glücklich vor der Nacht;
„Kehr nie zurück, bedankte Ärmlichkeit!“
Es war ein wunderschönes Hausen
In guter, kleinerbauter Heimlichkeit. —
Ganz winzige, herzförmige Fenster gibt's. —
Im reichen Raum vergißt man leicht das Draußen. —
Entgleite nicht, du Glück der Einfachheit.
Joachim Ringelnatz /per Lyrikmail #2184
Wer hätte damals das gedacht!?
Von mir!? — Wie war ich davon weit!
Dann stieg ich, stiegen wir zu zweit
Und sagten glücklich vor der Nacht;
„Kehr nie zurück, bedankte Ärmlichkeit!“
Es war ein wunderschönes Hausen
In guter, kleinerbauter Heimlichkeit. —
Ganz winzige, herzförmige Fenster gibt's. —
Im reichen Raum vergißt man leicht das Draußen. —
Entgleite nicht, du Glück der Einfachheit.
Joachim Ringelnatz /per Lyrikmail #2184
the happening world
Eine Befindlichkeitsanalyse.
Nachts streifen wir, vom ohnmächtigen Gefühl der Langeweile und dem unbändigen Drang der Entdeckerlust gleichermassen getrieben, durch die Strassen des Bötzowviertels. Rund um den Helmholtzplatz und in der Kastanienallee waren die Kneipen uns einst: eine Heimat. Hier fanden wir stets Linderung von den Grossstadtsorgen, zusammen mit anderen Getriebenen konnten wir uns jeden Abend in wohlbekannte Sessel sinken lassen und erlebten doch immer etwas Neues. Seit einiger Zeit aber kommt uns diese ewige Wiederholung öde vor, wir fuhren Richtung Osten um zu finden: ein Abenteuer. Stellten uns in den Strassen und Bars dort verruchtere, originellere Leute vor, aber fanden: nichts. Es mag etwas gewagt sein, an einem Montagabend die Trinkfreudigkeit der Bewohner eines Viertels beurteilen zu wollen, aber dort war alles so geleckt und brav und still, dass das Adjektiv «bötzig» bei uns von nun an für ebenjene Attribute steht.
Tagsüber streife ich, vom unbändigen Durst nach Wissen und der Lust auf neue Kontakte gleichermassen getrieben, durch die Gänge der Universität. Rund um die Silberlaube und das Institut für Chemie waren mir die Hörsäle, Cafés und Bibliotheken einst: eine Heimat. Jetzt ging ich hier ziellos, noch ohne Lernauftrag, und hatte Mühe mir auszumalen, wie ich dieses Semester rein punktemässig auf die Reihe kriegen sollte. Es fehlte an spannenden, anspruchsvollen Vorlesungen. Gelegenheiten, um sich ganz ursprünglich in der Mensa zum Mittagessen und zum Gespräch zu treffen und danach auf dem Dach in der Sonne zu sitzen, gab es genug; die Beschäftigung mit Skripten und Übungen aber fehlte noch gänzlich.
Nachts streifen wir, vom ohnmächtigen Gefühl der Langeweile und dem unbändigen Drang der Entdeckerlust gleichermassen getrieben, durch die Strassen des Bötzowviertels. Rund um den Helmholtzplatz und in der Kastanienallee waren die Kneipen uns einst: eine Heimat. Hier fanden wir stets Linderung von den Grossstadtsorgen, zusammen mit anderen Getriebenen konnten wir uns jeden Abend in wohlbekannte Sessel sinken lassen und erlebten doch immer etwas Neues. Seit einiger Zeit aber kommt uns diese ewige Wiederholung öde vor, wir fuhren Richtung Osten um zu finden: ein Abenteuer. Stellten uns in den Strassen und Bars dort verruchtere, originellere Leute vor, aber fanden: nichts. Es mag etwas gewagt sein, an einem Montagabend die Trinkfreudigkeit der Bewohner eines Viertels beurteilen zu wollen, aber dort war alles so geleckt und brav und still, dass das Adjektiv «bötzig» bei uns von nun an für ebenjene Attribute steht.
Tagsüber streife ich, vom unbändigen Durst nach Wissen und der Lust auf neue Kontakte gleichermassen getrieben, durch die Gänge der Universität. Rund um die Silberlaube und das Institut für Chemie waren mir die Hörsäle, Cafés und Bibliotheken einst: eine Heimat. Jetzt ging ich hier ziellos, noch ohne Lernauftrag, und hatte Mühe mir auszumalen, wie ich dieses Semester rein punktemässig auf die Reihe kriegen sollte. Es fehlte an spannenden, anspruchsvollen Vorlesungen. Gelegenheiten, um sich ganz ursprünglich in der Mensa zum Mittagessen und zum Gespräch zu treffen und danach auf dem Dach in der Sonne zu sitzen, gab es genug; die Beschäftigung mit Skripten und Übungen aber fehlte noch gänzlich.
Apr 8, 2010
Do Chemists dream of electric sheep?
Endlich ist es mal amtlich, oder zumindest so amtlich, wie die Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien überhaupt noch sein können. Denn nicht erst seit dem Climategate-Skandälchen sind Forschungsergebnisse einem kritischen Kreuzfeuer aus allen Richtungen ausgesetzt. Halbwissenschaftliche Journale, ja eigentlich jeder Wikipedia-Nutzer fühlt sich ermächtigt, Ergebnisse anzuzweifeln und umzudeuten. Das ist eigentlich gar nicht so schlecht, denn Wissenschaft lebt bekanntlich vom Diskurs. Zweifelhaft ist daran eher die Verbreitung von Halb- und Wahrheiten: Wenn diese in die falschen Hände gelangen, wird darum flugs eine publikationsreife Meldung, und auch ehemals seriöse Agenturen wie die dpa können in den wissenschaftlichen Hochebenen der Forschung eben nicht richtig von halbrichtig unterscheiden (zum Vergleich: Der südkoreanische Klon-Gau des Forschers Hwang Woo Suk 2005 wurde noch in Eigenregie gebaut).
Aber zur Sache: die Publikation trägt den schönen Namen «Do green products make us better people?» und der geneigte Leser wird schon wissen, worauf es hinausläuft, ganz zu meinem Vergnügen natürlich. Es ist ähnlich zur landläufigen Beobachtung, dass Netz-affine und Social-Media-erprobte Menschen nicht unbedingt auch im wirklichen Leben sozial erfahren sind. Beim Thema Öko geht es aber weiter: Eine Studie der Universität in Toronto hat festgestellt, dass Käufer von Bio-Produkten nicht automatisch auch ein besseres Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber zeigen. Der Hintergrund: Diese Leute "kaufen" ihr moralisches Gewissen und haben danach das Gefühl, bereits genug erledigt zu haben, so dass sie niemand aufgrund von Unfreundlichkeit etwa anklagen könnte. Ein schönes Beispiel für gutes Marketing und auch dafür, dass diese ganze fair-trade Sache am Kern der Sache (der wäre: eine empathischere Gesellschaft) vorbeigeht.
Aber zur Sache: die Publikation trägt den schönen Namen «Do green products make us better people?» und der geneigte Leser wird schon wissen, worauf es hinausläuft, ganz zu meinem Vergnügen natürlich. Es ist ähnlich zur landläufigen Beobachtung, dass Netz-affine und Social-Media-erprobte Menschen nicht unbedingt auch im wirklichen Leben sozial erfahren sind. Beim Thema Öko geht es aber weiter: Eine Studie der Universität in Toronto hat festgestellt, dass Käufer von Bio-Produkten nicht automatisch auch ein besseres Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber zeigen. Der Hintergrund: Diese Leute "kaufen" ihr moralisches Gewissen und haben danach das Gefühl, bereits genug erledigt zu haben, so dass sie niemand aufgrund von Unfreundlichkeit etwa anklagen könnte. Ein schönes Beispiel für gutes Marketing und auch dafür, dass diese ganze fair-trade Sache am Kern der Sache (der wäre: eine empathischere Gesellschaft) vorbeigeht.
Apr 6, 2010
the happening world
Aus der Wildnis von Mecklemburg-Vorpommern kommend, beschloss ich, ins Kino zu gehen. Es gibt nichts, was einem dem arteriellen Kreislauf der Grossstadt und all seinen Übeln näherbringen könnte. Die Fahrt allein ist eine Zumutung, erst wartet man auf die Tram und dann nochmal auf die Ubahn, um sich schliesslich über die gargantuesken Distanzen des Potsdamer Platzes zu quälen. Der vom Lande verwöhnte Mensch, der keine Abfahrtszeiten, kein Umsteigen und erst recht keine Menschenmengen kennt und braucht (selbst wenn sie wie an diesem Ostermontag verhalten waren), ist wahrlich schon genervt, bevor er im Kinosessel sitzt. Bis dahin soll es aber noch dauern: Denn erst muss er an der Kinokasse dem unbarmherzigen Preissystem der Filmhausketten begegnen. Damals, mit Avatar, wurde ja der Grundstein gelegt: Satte 12 Euro bezahlte man für eine Karte und 3D-Brille. Studentenrabatt, Dienstagsermässigung oder Gutscheine verlieren ihre Gültigkeit. Dieser Film enthielt alle Zuschläge und Extrakosten, die sich die darbende Filmbranche überlegen konnte: Überlänge, 3D-Technik, Gebühr für Grossraum und Pause. Am Ostermontag, einem Feiertag, bezahle ich 8 Euro für die Studentenkarte. Ich nicke nur apathisch und will endlich zur Popcorntheke. Dort stehen sie schon, alle drei: Die Landmenschen, einfache Wesen aus dünner besiedelten Gegenden, mit ihren iPhones, Rätselheften und Handtäschchen. Dem Thekenrhythmus unserer Grossstadt sind sie nicht gewachsen. Ich versuche, mich schonmal an sie zu gewöhnen, denn bestimmt werden sie während der Vorstellung neben mir sitzen.
Einen Film im Kino anzusehen ist eine Zumutung an sich. Zumindest für werbungssensible Menschen. Was da alles so auf einen einprasselt während den ersten gefühlten 30 Minuten lässt sich an Eindimensionalität nicht überbieten. Schon früher waren Kinowerbungen überdrehte Bildgeschichten, nach deren Betrachtung man nicht immer sagen konnte, wofür eigentlich geworben wurde (die Einblendung des Marken- und Produktnamens löste dann das Rätsel). Heute ist es ähnlich, das Versprechen der Werbung (Glück, Partnerschaft, Sex) aber wurde akzentuiert herausgearbeitet und trifft mich im Kinosessel wie ein faulig riechendes, schleimiges Etwas. Die anderen Zuschauer signalisieren durch Lachen oder verständnislose Kommentare, dass sie äuch verwirrt sind. Die beworbenen Produkte und den Hype darum kann ich in meinem Umfeld aber direkt wiederfinden. Die drei Nervensägen von der Popkorntheke sitzen mittlerweile tatsächlich neben mir, nach dem ersten Werbeblock geht das Licht nochmal an, es wird Eis verkauft. Die folgenden Filmvorschauen wirken richtiggehend blass verglichen mit der Werbung zuvor.
So eine Tortur steht man nur durch, wenn sich der Film, der schlussendlich wirklich gezeigt wird, auch tatsächlich lohnt. Er lohnt sich, und lohnt sich insbesondere in der Originalfassung, da ansonsten die unterschiedlichen englischen Akzente gar nicht zur Geltung kämen. Ein toller Film, auch von der Ästhetik her wirklich sehenswert. Dass so - Verzeihung - altbackene Regisseure wie Polanski so eine moderne Bildwelt auferstehen lassen können, hat mich schon bei Wim Wenders' "Palermo Shooting" begeistert, auch wenn dessen Handlung lange nicht so schlüssig ist wie Polanskis Politikgeschichte. electronicdreams empfiehlt "The Ghost Writer" deswegen uneingeschränkt.
Einen Film im Kino anzusehen ist eine Zumutung an sich. Zumindest für werbungssensible Menschen. Was da alles so auf einen einprasselt während den ersten gefühlten 30 Minuten lässt sich an Eindimensionalität nicht überbieten. Schon früher waren Kinowerbungen überdrehte Bildgeschichten, nach deren Betrachtung man nicht immer sagen konnte, wofür eigentlich geworben wurde (die Einblendung des Marken- und Produktnamens löste dann das Rätsel). Heute ist es ähnlich, das Versprechen der Werbung (Glück, Partnerschaft, Sex) aber wurde akzentuiert herausgearbeitet und trifft mich im Kinosessel wie ein faulig riechendes, schleimiges Etwas. Die anderen Zuschauer signalisieren durch Lachen oder verständnislose Kommentare, dass sie äuch verwirrt sind. Die beworbenen Produkte und den Hype darum kann ich in meinem Umfeld aber direkt wiederfinden. Die drei Nervensägen von der Popkorntheke sitzen mittlerweile tatsächlich neben mir, nach dem ersten Werbeblock geht das Licht nochmal an, es wird Eis verkauft. Die folgenden Filmvorschauen wirken richtiggehend blass verglichen mit der Werbung zuvor.
So eine Tortur steht man nur durch, wenn sich der Film, der schlussendlich wirklich gezeigt wird, auch tatsächlich lohnt. Er lohnt sich, und lohnt sich insbesondere in der Originalfassung, da ansonsten die unterschiedlichen englischen Akzente gar nicht zur Geltung kämen. Ein toller Film, auch von der Ästhetik her wirklich sehenswert. Dass so - Verzeihung - altbackene Regisseure wie Polanski so eine moderne Bildwelt auferstehen lassen können, hat mich schon bei Wim Wenders' "Palermo Shooting" begeistert, auch wenn dessen Handlung lange nicht so schlüssig ist wie Polanskis Politikgeschichte. electronicdreams empfiehlt "The Ghost Writer" deswegen uneingeschränkt.
Mar 16, 2010
Wir nannten es Arbeit
Stell dir vor, es ist politische Bildung, und keiner geht hin. So oder ähnlich liesse sich der derzeitige Zustand unseres tollen Seminars "PieK" beschreiben. Das ist ungefähr so, als hätte man Geburtstag und sitzt alleine Zuhause. Man stellt sich die Frage, für wen man das eigentlich macht. Nach ungefähr 4 Bier während eines Planungsabends kommt es uns dann wieder in den Sinn: Wir machen das natürlich für uns selber! Natürlich würden wir das leckere Mittagsbuffet, die exzellenten Vorträge, den Museumsbesuch und die ganze künstlerische Arbeit gern mit jemandem teilen. Geteilte Freude ist ja angeblich die schönste Freude. Wir würden das aber auch alles alleine geniessen wollen.
Mar 9, 2010
tracking with close-ups
Der Winter war längst vorüber. Was dann kam, war Sonnenschein und die Illusion, man könnte im Tshirt hinausgehen. Wir probierten es und fanden uns nach einigen Tagen doch wieder abwechslungsweise fröstelnd und schwitzend in den abgedunkelten Räumen der Cafés wieder. Wenn die Fenster geschlossen waren, erzeugten die bullernden Öfen und die Gluthitze der Zigaretten im Raucherraum eine Luft, in der jegliches Eis in unserem Campari Soda sofort zu lauwarmen Wasser wurde. Waren die Fenster geöffnet, zog es uns kalt zwischen den Beinen durch. Wir waren das Leben im Inneren langsam satt und sehnten uns nach Spaziergängen im Treptower Park. Manchmal, wenn wir es gar nicht mehr aushielten, liefen wir die Duncker hinauf bis zur Brücke über die S-Bahn-Schienen, denn von dort aus konnte man wenigstens ein kleines Fenster Horizont erkennen.
Mar 7, 2010
1 Gedicht/Nacht
Kein Dänenprinz war so dramatisch, verrückt, grossartig wie er:
Inszenierung von Thomas Ostermaier mit Lars Eidinger. Am 19., 20. und 21.3. in der Schaubühne.
Inszenierung von Thomas Ostermaier mit Lars Eidinger. Am 19., 20. und 21.3. in der Schaubühne.
the happening world
Es war der sechste Samstag in Folge und das Gefühl, zwischen Arbeitswoche und Sonntag zu stehen, leierte mich langsam aber sicher aus. Ich stand zwischen Arbeitspflichten und dem Wunsch, mich gehen zu lassen und mich auf das Kommende vorzubereiten. Um mich herum passierten die verrücktesten Geschichten, Freunde und Mitbewohnerin gleichermassen muteten mir die neuesten wilden Entwicklungen in ihren Leben zu, verlangten Rat von mir und Verständnis, wo ich einfach nur Feierabend haben wollte und überdies mit dem Nachvollziehen der stories überhaupt nicht hinterherkam. Ich verspürte das tiefe Bedürfnis, diesen Planeten zu verlassen und auf einen anderen zu ziehen, weil alles zuviel war. Es war das Gefühl, dass die Moderne, die verrückte, falsch-gerichtete und kurzsichtige moderne Welt mich überrollte und ich nicht mehr Schritt halten mochte.
Eine Freundin holte mich in Charlottenburg ab und gemeinsam gingen wir ins Schwarze Café, wo wir die gefühlten nächsten 10 Stunden verbrachten. Dieser Ort ist immer gut, wenn man nicht zeitreisen will, sondern wie in einer Zeitkapsel eingesperrt verweilen will, die wechselnden Gäste, das Personal, sie alle warfen uns gutmütige Blicke und kokettierende Sätze zu, während wir unseren Kaffee tranken und Suppe löffelten. Wir waren die Ausgelaugten der Nacht, hatten kaum geschlafen und fühlten uns gebeutelt vom Leben und den Umständen. Wir betrachteten den Schnee, der in dicken Flocken fiel, bestätigten uns gegenseitig, dass wir mit dem Leben mithielten, zahlten dann und fuhren zum Alex. Die Menge in den S-Bahnen und Geschäften hatte weiter zugenommen, dabei war schon beinahe alles geschlossen, als ich endlich wieder die Prenzlauer Allee hinauffuhr und nach Hause ging.
Eine Freundin holte mich in Charlottenburg ab und gemeinsam gingen wir ins Schwarze Café, wo wir die gefühlten nächsten 10 Stunden verbrachten. Dieser Ort ist immer gut, wenn man nicht zeitreisen will, sondern wie in einer Zeitkapsel eingesperrt verweilen will, die wechselnden Gäste, das Personal, sie alle warfen uns gutmütige Blicke und kokettierende Sätze zu, während wir unseren Kaffee tranken und Suppe löffelten. Wir waren die Ausgelaugten der Nacht, hatten kaum geschlafen und fühlten uns gebeutelt vom Leben und den Umständen. Wir betrachteten den Schnee, der in dicken Flocken fiel, bestätigten uns gegenseitig, dass wir mit dem Leben mithielten, zahlten dann und fuhren zum Alex. Die Menge in den S-Bahnen und Geschäften hatte weiter zugenommen, dabei war schon beinahe alles geschlossen, als ich endlich wieder die Prenzlauer Allee hinauffuhr und nach Hause ging.
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