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May 6, 2010

the happening world

Was tut man, wenn Regen niederfällt wie Bindfäden, die Arbeit an der kommenden Ausgabe des tollen Campus-Magazins vor sich hin dümpelt und zu allem Überfluss auch noch die Schwalbe mit unbekanntem Problem in der Werkstatt steht? Richtig, man geht los und beschafft sich Lektüre beim Buchhändler um die Ecke. Diesmal Platon (für die Ideengeschichte-Vorlesung am Politikwissenschafts-Institut) und Richters "Bettermann", ein zynischer Abklatsch der Verhältnisse zwischen Bildung, Politik und Wirtschaft in Deutschland, die auch ich im Artikel "Die Beziehungskiste" behandle, welcher Aufmacher sein wird in der vierten Ausgabe von FURIOS. Er handelt von personifizierten Institutionen, besagte Bildung, Wirtschaft und Politik, dazu gesellen sich Verwaltung, Geschichte und der Zeitgeist, ein struppiger Geselle, der mit all den althergebrachten Begriffen nichts anzufangen weiss. "Moderne Hochschule", die Tochter von Wirtschaft und Bildung schliesslich, fühlt sich in dem Kreuzfeuer aus wechselnder Einflussnahme und Ausbeutung verloren. Und davon handelt die Geschichte.

Mar 6, 2010

Do Chemists dream of electric sheep?

Herrlich in der FTD: «Experiment am lebenden Griechen»
Die Kanzlerin drängt Athen zu etwas, was sie im eigenen Land als kontraproduktiv ablehnt: Mitten in der Rezession radikal zu konsolidieren. Ein waghalsiger Versuch, der auch für Deutschland teuer werden kann.
Bei Ökonomen ist derzeit in Mode, wirtschaftliche Phänomene am lebenden Objekt zu testen statt in abstrakten Modellen. Das ist prima. Und die Griechen haben gerade beste Chancen, zu Kollektivprobanden eines großen wirtschaftspolitischen Experiments zu werden. Immerhin hat in der Weltgeschichte noch keine Regierung versprechen müssen, so schnell und rabiat ein Staatsdefizit abzubauen – um ein Zehntel der Gesamtwirtschaftsleistung in drei Jahren. Und zwar mitten in der Rezession, was bekanntlich alle anderen Regierungen der Welt als wirtschaftlich kontraproduktiv bis zwecklos ablehnen.
Entsprechend offen scheint, wie das Experiment am lebenden Griechen ausgeht. Es ist gut möglich, dass die Probanden als abschreckendes Beispiel dafür enden, wie man es nicht macht. Dann könnte der große deutsche Lehreifer auf die Deutschen zurückschlagen…
Was es bringt, in der Krise germanischem Maso-Verständnis von Ökonomie zu folgen, können die Griechen ahnen. Vor Wochen stand das erste Stabilisierungspaket. Dann stellte sich heraus, dass die Konjunktur schlechter ist, sodass wieder Milliarden an Steuereinnahmen fehlten und weitere Milliarden zu kürzen waren. Auch für Griechenland gilt, dass jeder Rückgang des BIPs um ein Prozent das Defizit um einen halben Punkt erhöht.
 
via Nachdenkseiten.de

Jan 14, 2010

the happening world

rebel:art hat einen Milchmädchenrechner vorgestellt, der in diesen Zeiten echt nötig zu sein scheint. Wir erinnern uns: Dieser Amateur-Blog hat schon im März 2009 vorausgeahnt, dass das einzig Erinnernswerte von 2009 die nach oben offene Finanzhilfen-Skala ist. Selbst die Zeitungen haben für ihre ach so gebildete Leserschaft das mit den Einsen und den vielen Nullen dahinter nochmal ganz klar und schlüssig hergeleitet. Die konsequente Folgerung daraus ist dieser Rechner. Wo soviele Nullen schon stehen, da kommts auf einige mehr oder weniger nicht drauf an. Wunderbar (neben dem Riesen-Display und der schnieken Gold/Holz-Optik) auch die Extratasten unten: Pi mal Daumen, Währungskreislauf, oder gleich Äpfel mit Birnen vergleichen?


Jan 3, 2010

the happening world

Meine Mitbewohnerin sagt: «Du klingst wie ein 70jähriger Opa!»
Und das, bloss weil ich an einem Sonntag, dem letzten Ferientag immerhin, geäussert habe, dass es ein super Tag sei und ich einen Spaziergang machen möchte. Kurze Zeit später wird sie mir vorschwärmen, dass sie die Sonne und das Meer im nahen Osten sosehr vermisst, sich mit dem Winter in Berlin zwar arrangieren kann, aber eben, das Meer...

Bei solchen Träumereien bin ich für meinen Pragmatismus dankbar, so opahaft er auch sein mag. Was für eine Zeitverschwendung, sich in ein Zimmer mit offenen Fenstern und Meerblick zu wünschen, wo man der saudade frönen kann. Wieviel nüchterner meine Herangehensweise, die Laune auf südliche Länder für den Urlaub aufzusparen, und sich erstmal im Winter zurechtzufinden. Wir haben genug zu lesen, ein prächtiges Abendessen vor uns, und gerade klart es mal wieder auf. Aber so läuft das eben nicht in Deutschland, und vor allem nicht in Berlin: Es muss schon Fernweh sein, am liebsten einmal morgens, mittags und abends, vermischt mit der Verkündung des Mangels der halb-kontinentalen Wohnlage hier. So stand es einst auch in der ehemaligen Kunstzeitung Liebling. «Die Deutschen wollen sich ihre perfekte Welt zurechtträumen, herbeimoralisieren.» Einfach dort hinzufahren, wo es sie möglicherweise gibt, kommt nicht in die Tüte.

Dec 11, 2009

1 Gedicht/Tag

Diesmal in Kolumnenform:

Grasdackel

Überall sonst in Württemberg (und in Baden sowieso) streifen noch die langsamsten Bummelzüge (die schnellsten sowieso) die Städte des Ländles nur und machen, ob es nun Tübingen oder Schwäbisch Gmünd, Pfullingen oder Aalen, Kirchentellinsfurt oder Heidenheim sind: zu Flüchtigkeiten. Wenigstens von der Bahnhofseite her. Der Zug muss gleich wieder weiter. Kein Gebäude an den vielen Gleisen, das einen festhalten wollte. Jedes schubst einen sofort entweder in die Stadt oder eben in einen fortfahrenden Zug hinein. Nur in einer Stadt in Württemberg (von Baden ganz zu schweigen), der Hauptstadt naturgemäß, ist der Hauptbahnhof für alle Züge und alle Reisenden: eine Heimat. Hier fährt man nicht durch. Hier kommt man an. Ein Kopfbahnhof, der ein Herzbahnhof für Generationen von Schwaben und Weltreisenden ist. Auch wenn sie aus ihm hinausfahren, nehmen sie diesen Bahnhof sozusagen mit sich fort: als Sinnbild des technisch Schönen, in dem der Mensch geborgen ist. In den hohen, stolzen Hallen, in denen die Würde einer Basilika-Form mit der Sauberkeit einer reinen Funktion wunderbar harmoniert, überragt von einem trutzig-tollen Turm, der, gebaut von Paul Bonatz in den schweren Zeiten des Ersten Weltkriegs, neben dem anmutigen Fernsehturm von Fritz Leonhardt zu den europäischen Architekturensembles von unnachahmlichem Rang gehört - und zum Inbegriff des Bildes, das jeder von Stuttgart hat, der diese Stadt auch nur ein wenig liebt (und das sind nicht wenige). Eben diese Hallen der Bonatz-Herrlichkeit sollen, wie gestern der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn bekräftigt hat, jetzt geschleift, sollen zusammen mit dem gesamten Heimat-Kopfbahnhof amputiert werden! Nur damit es durchgehende, kopflose Gleise tief unter der Erde gebe und droben auf dem dann gleisfreien, geschändeten Gelände kopflose, durchgehende Konsumbauten entstehen, die alle zusammen den durchgehenden Namen "Stuttgart 21" tragen ("Stuttgart00" wäre wohl angemessener), erdacht von durchgeknallten Politikern (ganz oben ein gerade noch amtierender und ein kommender Ministerpräsident) und von durchgeknallten Bahn-Profitmachern ("Grasdackel", wie man so etwas dortzulande nennt). Diese planen mit dem Geld, das sie nicht haben und nie haben werden (also mit "Schulden wie die Sautreiber", wie man dortzulande so etwas nennt), einen völligen megalomanen Unfug ins Blaue hinein, machen dafür aber ein solide Gewachsenes, Schönes, Tolles, Heimatliches, Wunderbares kaputt - oder "hee", wie man dortzulande sagt. Es klingt wie "weh". Also: Krieg den Grasdackeln! Friede den Kopfbahnhöfen!

Gerhard Stadelmaier

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Dec 9, 2009

the happening world

Endlich zurück zu wirklich fundamentalen Dingen und Fakten abseits von Zuwanderungsproblemen und gestörter Befindlichkeit: Auf starke-meinungen gibt es einen interessanten Kommentar zu der Klima-Hysterie, die in Kopenhagen gerade zu erklecklichen CO2-Emissionen führt (via politikplatschquatsch). Die Erkenntnisse, die der Email-Hack bei den Klimaforschern in England zutage gefördert hat, sind nur das jüngste Zeugnis einer wachsenden Aufmerksamkeit, die die Blogger und Bürger der Politik und den Medien entgegenbringen. Mich erschreckt selber, mit welcher unkritischen Art ich Informationen aus der Klimaforschung aufnehme, wo ich doch das Hinterfragen als grundlegende Technik in meinem Studium lerne und anwende. Vielleicht zeigt die ständige Beschallung durch Greenpeace und WWF sowie die deutsche Gründlichkeit in Aufarbeitungsfragen langsam eine Wirkung. Wie dem auch sei; CO2 ist das Waldsterben von heute, nein, schlimmer, das Waldsterben der nächsten Generation: Global im Ansatz, global in der Umsetzung und finanziell auf einem Niveau, das locker auf Augenhöhe mit bei der Finanzkrise eingedampften Hedge-Fonds-Summen liegt. Dass eine Technologieentwicklung stattfindet, die abseits der fossilen Ressourcen zur Anwendung kommt, ist vielleicht das Beste daran. Zu dem Schluss, dass es für eine ernsthafte Umsattelung auch langsam Zeit wird, könnte man allerdings auch kommen, indem man sich einfach mal die Verknappung dieser Rohstoffe in den nächsten 100, 200 Jahren überlegt. Aber nein, die Endlichkeit von Erdöl und Gas sind nicht der Grund, weswegen jetzt beispielsweise Renault gleich eine ganze Flotte von Null-Emissions-Autos vorgestellt hat, die 2011 auf dem Markt sein sollen. Klimaschutz ist Mode geworden, und daran sind die Politiker dieser Ressorts nicht unschuldig. Dabei haben sie ihre ureigenen Beweggründe, wie Klaus Kocks zeigt: «Die ganze politische Klasse hat gelernt, dass sich auf dem Klimaticket gut reisen lässt. Die Pressesprecherin von Lothar de Maiziére ist so Kanzlerin geworden, und der von Schröder geschnittene Harzer Roller Sigmar Gabriel Parteivorsitzender; nun also Röttgen, der sich so davor schützt, als Lobbyist beim BDI dienen zu müssen.» Ihre berufliche Ereiferung hat auch gute Seiten, wie Renault eindrucksvoll beweist. Und ganz nebenbei kommen die Autohersteller mit ihrer massiven Umrüstung völlig unbemerkt an der Frage vorbei, warum sie das Programm nicht eher in Angriff genommen haben.

Dennoch bleibt bei der ganzen Diskussion die Legitimierung unangesprochen. Ist CO2 am Klimawandel schuld? Nützen die Techniken, die wir dagegen aufbringen? Halb durch den Kommentar gelesen, schreibe ich einem Bekannten, der Seminare zu Nachhaltigkeit organisiert und das Ganze in einen persönlich-emotionalen, spirituellen Rahmen stellt. Er sollte diese Unschlüssigkeit, die die ganze Chose mit sich bringt, als Motor für seine Arbeit nutzen. Die Sinnfrage von Klimaschutz ist hinfällig, wenn Nachhaltigkeit das Ziel ist.

Zwei Zeilen später ist der Autor auch bei dieser Erkenntnis.

Nov 20, 2009

Fast Sarajevo XXXVII

Sarajevo, 21.IX

Wer als Deutscher den Euro satthat und sich die gute alte Mark zurückwünscht, der könnte, anstatt die Europäisierungsstatistiken in Deutschland zu versauen, einfach nach Bosnien und Herzegowina ziehen. Hier gibt es die K-Mark als Währung, und sie bleibt uns aller Voraussicht nach noch einige Jahre lang erhalten.  Griffig in der Hand, konvertibel (daher das K-) und, jetzt kommt das Beste: an den Euro gebunden. Ausserdem wird in Bosnien und Herzegowina ohnehin an vielen Orten der Euro akzeptiert, wenn dem Nostalgiker also die Lust auf's Alte vergangen ist, kann er einfach wieder modern sein. Da bleiben einem echt keine Wünsche offen! Jetzt buchen!

Nov 19, 2009

the happening world

Wie bei den bissigen Liberalen hingewiesen wurde, ist in der FAZ ein bemerkenswerter Blick hinter die Studiokulissen der Staatssender erschienen. Auch im print lässt es sich die Zeitung nicht nehmen, die miese Qualität sowohl der Nachrichten als auch der Darreichungsform der Öffentlich-rechtlichen zu portraitieren. Früher, zu Zeiten, als der Sonntags-Tatort meine einzige Fernsehsendung überhaupt war, glaubte ich ja wegen des werbefreien Angebots, ich sei hier beim letzten ernstzunehmenden TV-Angebot überhaupt gelandet. Bei MTV dröhnte schon damals mehr Klingelton als (die nicht viel bessere) Popmusik, und bei Versuchen, mir «Blockbuster» auf den Privaten anzusehen, musste ich nach der zweite Werbepause ausmachen. Der Artikel in der FAZ zeigt nun, dass eine der wenigen Kompetenzen, die ARD und ZDF noch aufzuweisen schienen, nämlich die kompetente Nachrichtenvermittlung, auch dahin ist. Bei Namen wie «Verbotene Liebe» oder wahlweise «Geld, Macht, Liebe» wird mir schon offenbar, dass da abseits der Tagesschau nicht viel Sinnhaltiges abläuft.

Nov 14, 2009

the happening world




Da steht er, unser Verteidigungsminister, vermutlich in einer Transall mit Ziel Kundus oder Kabul-Militärflughafen. Da steht er, und wir wundern uns, weshalb er so gar nichts mit den Soldaten zu tun zu haben scheint, die um ihn herumsitzen und früher oder später in Afpak ihren Arsch auf's Spiel setzen. Immerhin setzt Mr. In-jeder-Situation-shiny zu Guttenberg es durch, dass von «kriegsähnlichen Zuständen» geredet wird. Anderes lassen die Ausrüstung der Bundeswehrmänner auch nicht vermuten. Dieses Bild liefert mir eine Steilvorlage für die Entfremdung der Politik von der Realität. Es ist das Nachspiel einer um Posten würfelnden Koalitionsrunde. Zu Guttenberg auf dem Time Square war irgendwie komisch, aber hierbei fasse ich mich nur an den Kopf, den leider nie ein Bundeswehrhelm geziert hat.