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Apr 13, 2010

the happening world

Eine Befindlichkeitsanalyse.

Nachts streifen wir, vom ohnmächtigen Gefühl der Langeweile und dem unbändigen Drang der Entdeckerlust gleichermassen getrieben, durch die Strassen des Bötzowviertels. Rund um den Helmholtzplatz und in der Kastanienallee waren die Kneipen uns einst: eine Heimat. Hier fanden wir stets Linderung von den Grossstadtsorgen, zusammen mit anderen Getriebenen konnten wir uns jeden Abend in wohlbekannte Sessel sinken lassen und erlebten doch immer etwas Neues. Seit einiger Zeit aber kommt uns diese ewige Wiederholung öde vor, wir fuhren Richtung Osten um zu finden: ein Abenteuer. Stellten uns in den Strassen und Bars dort verruchtere, originellere Leute vor, aber fanden: nichts. Es mag etwas gewagt sein, an einem Montagabend die Trinkfreudigkeit der Bewohner eines Viertels beurteilen zu wollen, aber dort war alles so geleckt und brav und still, dass das Adjektiv «bötzig» bei uns von nun an für ebenjene Attribute steht.

Tagsüber streife ich, vom unbändigen Durst nach Wissen und der Lust auf neue Kontakte gleichermassen getrieben, durch die Gänge der Universität. Rund um die Silberlaube und das Institut für Chemie waren mir die Hörsäle, Cafés und Bibliotheken einst: eine Heimat. Jetzt ging ich hier ziellos, noch ohne Lernauftrag, und hatte Mühe mir auszumalen, wie ich dieses Semester rein punktemässig auf die Reihe kriegen sollte. Es fehlte an spannenden, anspruchsvollen Vorlesungen. Gelegenheiten, um sich ganz ursprünglich in der Mensa zum Mittagessen und zum Gespräch zu treffen und danach auf dem Dach in der Sonne zu sitzen, gab es genug; die Beschäftigung mit Skripten und Übungen aber fehlte noch gänzlich.

Jan 24, 2010

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Nach einem nächtlichen Vollrausch im Schwarzsauer ist alles schneller gedreht. Gespräche haben eine fast schon beängstigende Geschwindigkeit und Dringlichkeit, und während man sich noch fragt, warum die anderen Menschen es ebenso eilig und haben wie man selbst, steht man schon an einer ganz anderen Stelle, plappert mit dem Nächsten.

Jan 12, 2010

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Sie liegt eine Armlänge (Lichtjahre) entfernt im Bett neben mir. Das Licht des Morgens zeichnet die Silhouette ihres Oberkörpers nach, des Kinns, der Wangen, der Stirn. Eine sehr schöne Silhouette. Ich blinzelte im kühl-grellen Morgenlicht und machte mir Gedanken darüber, wer diese Person im Innersten wohl ist und warum sie hergekommen war. Die Gespräche des Abends fallen mir langsam wieder ein; ihr Lächeln, als ich mehr Wein bestellte; ihr Zurücklehnen; mein Umherschauen; die Gewissheit: Du kommst mit mir.
Ich liess eine Hand in ihre blonde Mähne gleiten und umfasste eine Strähne, spielte mit ihr.

Nov 26, 2009

Fast Sarajevo XXXIX

Sarajevo, 22. IX

Sarajevos Name leitet sich bekanntlich von «Sarai» ab, der Festung, die einst über der Stadt thronte. Den defensiven Charakter hat die Siedlung im Tal nach dem Ende ihrer Belagerung 1995 trotzig und endgültig abgeschüttelt und ihre Bewohner begegnen einem, besonders in den Cafés und Restaurants des Nachts, mit einer ironischen Aggressivität. Diese Stadt umarmt mit slawischer Festigkeit die Kultur und Herkunft ihrer Besucher und verleibt sie sich ein; aus dieser Vereinigung entspringt der nationale Charakter wie Wasser aus einer Quelle immer wieder neu. Im Café Ort, unter dem aziden Vier-viertel einer Musik, deren Takte im Englischen als «pumping» bezeichnet werden, entfacht sich die Konversation der Besucher in ebenjener Weise stets von neuem, begleitet von Gesichtsausdrücken, die im Verlauf eines Satzes von besorgt-beunruhigt, furchtsam über erstaunt und gelangweilt bis hin zu freudig und überheblich wechseln können.

Später ging ich in den Drome. Der Drome ist mehr ein Stadion im Kleinen als ein Club; durch halboffene Betonwände abgeschirmte Galerien sind gesäumt von Bars und Sofafluchten, im Innern die tiefergelegte Tanzfläche, riesengross und rund, die hohen Wände sind gesprenkelt mit sich überlappenden Visuals. Das Ganze mit einer Akustik wie im Hallenbad. Ein deutscher Label-DJ machte sich den Klang zunutze und legte eine trockene Kaskade harter Frankfurt-Rhythmen auf das ohnehin schon staubtrockene Etwas, das aus den Boxen kam und den ganzen Faradayschen Betonkäfig erzittern liess, als stünden die Serben vor der Stadt. Bei den Gästen gab es einfach alles, drei volle Dekaden von Party-Chic, hierhergetragen aus den fernen Metropolen früher Clubkultur. Leuchthörner, Trillerpfeifen, weisse Handschuhe, Topfschnitt, Fusseldecken als Kleidung. Vokuhilas mit und ohne Strähnen. Unterstützt durch die Musik wirkte nichts lächerlich oder fehl am Platz, mir kam ein Statement von Nôze in den Sinn, bei ihrem Auftritt in Montreal 2008: «We don't play intellectual music» - und so zogen sich die Leute hier an. Schon um 12 war der Ort brechend voll, im Keller, unter dem stützenden Gestänge der Tribüne, auf dem Weg zu den «toalets» sassen erste erschöpfte Gestalten, an den klatschnassen Beton gelehnt, eine kleine Aussenseitergruppe drehte Joints; Kondenswasser der schwitzenden Menge über ihren Köpfen tropfte von der abgestuften Decke. Der Metalldetektor am Einlass piepte unentwegt, Aufpasser von vier verschiedenen Firmen leuchteten mit ihren neongelben Westen in der Menge. Dieser Club hatte einen rohen Charme, nichts in der Art wie das majestätische Kristal in Bukarest, und dennoch kein Jota weniger ekstatisch. Die Deckenstrahler nahmen Töne von Blau an. Gigersche Repräsentationen von biomechanoiden Landschaften huschten über die Bildschirme, die Menge jubelte. Ich ginng in den Pool der Tanzenden hinunter, als um vier Uhr morgens Chris Liebling die Plattenteller in diesem einmaligen Establishment übernahm.

Nov 4, 2009

the happening world

«...es fallen 4 Euro Ausweis- und Bearbeitungsgebühren an»

Wer meine Bürokratie- und Geldausgeb-phobie kennt, der dürfte überrascht sein, dass es sich hierbei um eine Empfehlung handeln. Die Veranstaltung hat jetzt bei allen Blogs die Runde gemacht, auch mir wurde sie nun am Telefon wärmstens empfohlen. Schon länger hängt bei uns in der Küche ein «One-Dream»-Schein. Und als Unterhändler wenn nicht der Traumwelt, so zumindest der Traumzeit ist es meine Pflicht, auf die sinnvolle und witzige Abendbeschäftigung am kommenden Wochenende hinzuweisen:

DREAMYOURTOPIA, im Stattbad Wedding / Gerichtstrasse 65. Sa&So von 12pm-02am

Ausgestellt wird der Checkpoint ins Land der Träume, zusammen mit den umständlichen VISA-Dokumenten, die mitzubringen sind, eine Referenz auf Amerika. Gleichzeitig aber auch eine Hommage an den Fall der Berliner Mauer, da die Kunstinstallation in der zweiten Nacht abgerissen werden soll.

Oct 4, 2009

Fast Sarajevo XXVII

In Tivat mimte ich einen Franzosen. Ich gab meinem Englisch einen schnarrenden R-Laut, redete trocken, aber mit einem Singsang, der so musikalisch und fliessend war, dass es klang wie angeboren.

Die Russen haben Budva in Beschlag genommen, von ihnen kommen in den letzten Jahren mehr und mehr in die Küstenstadt am Fjord von Kotor, sie gelangen dorthin mit ihren grossvolumigen Wagenkolonnen oder dem Privatjet. Montenegro hat den Charme von Italien mit französischen und slawischen Sprenkeln, die Städte am Meer sind Ansammlungen von Palazzi, umrahmt von grimmig aussehenden Mauern, die sich bis in die Felshänge über der Bucht hinauferstrecken. Man kann hier alles mieten; von Autos über Clubs und Yachten bis hin zu Learjets für einen kurzen Ausflug an ein anderes Meer, oder einfach bleiben und vom ohrenbetäubenden Musikwirrwarr in den engen Gassen Kotors überrascht werden, das die Bars und Kneipen ab 10 Uhr abends veranstalten. Durch die beengten Verhältnisse durchdringt der Electropop jeden Winkel des Stadtfleckens, nachts gehört der Ort den Jungen.

Sep 26, 2009

Fast Sarajevo XXV

Tirana, 11. 09.

Wieder zurueck im Blloku pendelten Mika und ich zwischen den Bars, die mir noch vertraut waren. Hinter schweren Eisentoren standen Waechter in Khaki, Kalaschnikows unter dem Arm, grimmige Gesichter, die unter Schirmmuetzen hervorlugten. Einen Blick auf die Maenner erhaschte man bloss, wenn gepanzerte Limousinen und Jeeps jene Anwesen verliessen, die solche Tore noetig hatten. Auf der Dachterrasse des "LivingRoom", in den halbdunklen, verschnoerkelten Raeumen in den Etagen darunter, im Garten des Folié mit seinem holzgetaefelten, theateraehnlichen Interieur und den pseudo-steinernen Bloecken voll von Ornamenten, auf denen die Bar ruhte, rammten wir uns in die Polster, die wir dort fanden und fuehlten uns umarmt von der Stadt und ihrem Rhythmus. An den Tischen neben uns sass ein Publikum, dessen Freizuegigkeit wir in den kleineren Staedten Albaniens vermisst hatten. Postmodern. Dralle, zurechtgemachte Damen sassen auf dem Schoessen von Maennern, kurze Roeckchen flatterten durch die Nacht, hautenge Jeans wurden von ihren Traegerinnen die schmalen Treppen hinaufbemueht. Die eckigen Lederhandtaeschchen fuer Maenner - haeufig zu finden in Europas Osten und Sueden - wurden hier gerne ueber die Schulter getragen, die Gesichter waren breit, hart, dunkle Augen lagen unter einer hohen Stirn. Wir tranken viel und rauchten viel, wir wollten die Gedanken an die Busfahrt hierher aus unseren Koepfen verbannen, und auch die Gedanken an den Aufbruch am naechsten Tag, und ueberhaupt alle Gedanken, die von anderen Orten und einer anderen Zeit handelten und andere Leute beinhalteten als uns beide.

Wir gingen zurueck zum Hostel, als das Geraeusch des Stuehlerueckens immer mehr zu vernehmen war zwischen dem Laerm der Konversationen, und wir fuerchteten, dass es bald daemmern wuerde. Wir verbrachten noch eine lange Zeit auf den Sofas in der Pergola des Hostels, im nunmehr stillen Innenhof, umgeben von dem schlafenden Gebaeude, ueber uns, vorbei am Geaest der Limonenbaeume und Weintraubenranken sahen wir bloss den stahlgrauen Himmel der spaeten Nacht, und die unheimlichen Silhouetten der Wohnblocks nicht weit von uns, Reihen ueber Reihen von kleinen, zellaehnlichen Balkonen, von denen einige noch erleuchtet waren.

Sep 17, 2009

Fast Sarajevo XIX

2.9.

Albanien praesentiert sich auf der Bustour aus karstiges Bergland, duerr, an den Grenzen uebersaeht mit kleinen, pilzfoermigen Bunkern, die Enver Hoxha waehrend seiner Amtszeit errichten liess, nachdem das kommunistische Albanien aus dem Warschauer Pakt ausgetreten war. Diese zementierten Iglus machen aus dem trockenen Land noch kein froehliches Schlumpfhausen, doch der Verschoenerungsstil (Betonblocks werden mit bunten Mustern angemalt) in den Staedten und insbesondere in Tirana traegt seine Fruechte und gibt dem Land einen mediterranen Touch par excellence. Hier wachsen endlich die Palmen, die ich suchte. Das blutrote Banner, das die selbstbewusste Bevoelkerung ueberall aufhaengt, scheint mit seiner Farbe und seinem Motiv des Januskoepfigen Adlers von der martialischen Vergangenheit zu sprechen. Gleichzeitig hat Albanien grosse Schritte in Richtung Moderne unternommen.

Tirana. Diese Stadt weckte als erste den Wunsch zu bleiben. Moeglicherweise lag es an dem exzellenten Hostel, das von einem jungen, albanisch-deutschen Ehepaar betrieben wurde, oder an der erlesenen Gaesteschar, die ausgehwillig und trinkfest war. In einer der Kneipen im Ausgehviertel "Blloku" traf ich Sinty, eine waschechte lettische DJane, die hier haengengeblieben ist, als sie "auf Tour" war. Seitdem arbeitet sie als Graphikdesignerin, neben dem Auflegen. "You know, Devid, modern albanian graphicdesign is inexistant!", saeuselt sie mit ihrem nordischen Akzent. Und sie hat recht. In der Nationalgalerie, die am grossen Boulevard liegt, der Tirana von Norden nach Sueden durchschneidet, kann man sehen, wie sich die vielen Jahre Kommunismus in der Kunst niedergeschlagen haben. Zwar sind die photorealistischen, in warmen Farben gehaltenen Bilder, die mit heroischen Darstellungen den Bau der Elektrizitaetsleitungen, die Schwerindustrie und besonders die Rolle der Frau als Arbeiterin zeigen, nett anzusehen. Die Einheitsmalerei draengte aber ganze Generationen von Kreativen in die kuenstlerische Versenkung. Wer das Leben damals in zweifelhafteren Farben malte, dessen Bilder wurden vom Rat der Schriftsteller und Kuenstler eigenhaendig verboten, ein Berufsverbot folgte meistens. Alles in der Galerie dokumentiert, im dritten Stock.
Durch gute Verbindungen hatte Sinty schon die Wahlkampfauftritte der Parteien gestaltet, an Auftraegen mangelte es nicht. Wir zahlten. Wieder klimperten Muenzen einer neuen Waehrung in meiner Tasche. "Blloku" war einst das Wohnviertel der Parteisekraetere und hohen Funktionaere gewesen. Nach dem Regimewechsel und Sturz von Ramiz Alia 1990 hatte es die Bevoelkerung in Beschlag genommen, jetzt fanden sich dort glitzernde Buerotuerme und die hoechste Kneipendichte auf dem Balkan.

Aug 28, 2009

Fast Sarajevo X

ниш - 21.08.

Die Gegend um den Bahnhof von Nis war ruhig um halb elf Uhr nachts, als ich mit dem Zug ankam. Marco wartete mit seinem Scooter an der Treppe zur Eingangshalle. Wir brachten meine Sachen in seine Wohnung und hingen dann in einem Rockclub in der alten Festung herum. Eine duenne unter-der-Woche-Menge saeumte die Tische und den kleinen Platz vor der Buehne. Die Verstaeker warfen die Musik an die uralten Mauern, von wo sie kaskadenartig zu uns zurueckkam, gemischt mit der Vier-viertel bassline aus dem Technoclub, der sich neben unserer venue befand. Es war spaet, als wir zurueck in Marcos Wohnung liefen. Marco sahnte ab, wenn es um Frauen ging, und Facebook war seine schaerfste Waffe. Er hatte begriffen, dass er leichter an ihre Namen (und so ihr Profile) herankam als direkt an ihre Nummern. Das nutze er schamlos aus, sein Lieblingsspruch "Ich habe dich schonmal auf einem Foto eines Freundes auf Facebook gesehen, wie heisst du?" funktionierte auch auf dem Heimweg, 200m von seiner Wohnung, bei einer grossgewachsenen Serbin, die am Fenster sass und selbst gerade online war. Marco fluesterte ihr ein "see you in five minutes" zu, und kurz darauf sassen wir auf seinem Balkon und er loggte sich ein.

Am folgenden Abend hatte Dice zu einer Party etwas ausserhalb der Stadt eingeladen. Marco und ich holten uns an einem der Staende ein Abendessen und warteten vor dem Nationaltheater auf Iva. Ivas Auto war ein klappriger Ford, dessen Windschutzscheibe von ornamentartigen Rissen durchzogen war und dessen Tankanzeige bloss in Rechtskurven einen vertrauenserweckenden Wert angab. Wir holten ihre Cousine Jelena in einer Bar ab und fuhren dann zu Ivas Wohnung, wo wir einmal durch ihre Balkan-House-Sammlung hoerten und von ihrer Mutter sofort Saft und selbstgemachten Kuchen serviert bekamen. Iva warf sich maechtig in Schale. Zu einer weit ausgeschnittenen, etwas zu formellen schwarzen Bluse trug sie schlichte Jeans, beige Sandalen und setzte als Kroenung eine eckige Sekretaerinnen-Brille auf, deren rote innere Umrandung gut mit der Farbe ihres BHs korrespondierte. Eine halbe Stunde spaeter waren wir bei dem Anwesen, wo die Musik spielte, das Auto stellten wir am Strassenrand ab. Hier war Parken noch ein Erlebnis, der abgebrochene Rueckspiegel diente in Ivas Auto lediglich dem Nachschminken und einige Meter von unserem Parkplatz entfernt hatte sich bereits ein Kreis von Maennern gebildet, vermutlich der erste Unfall.

Der Drum'n'Bass passte zu der Atmosphaere ebenso wie die verrueckten Jungs, die vom Balkon im ersten Stock in den Pool im Innenhof sprangen, wild herumplantschten und dann mit rudernden Armen ueber die nassen Fliesen zurueck zur Treppe rannten. Wer genau die Party um drei Uhr beendete, konnten wir nicht herausfinden. War es die Einsatztruppe der Polizei, die gegen zwei Uhr am Eingang und unter den Gaesten auf der Tanzflaeche aufgetaucht war, oder waren es die Organisatoren gewesen, die angesichts leerer Kuehlschraenke ihre Aufgabe fuer erledigt angesehen hatten? Wir stolperten am Pool vorbei und ueber die wackelige Holzbruecke, welche ueber den Bach vor der Villa fuehrte.

Aug 26, 2009

Fast Sarajevo VIII

Reiseaufzeichnungen/Woche 1, 18.08. the balkans, baby!

In der nicht klimatisierten ersten Klasse, in der wir durch die duerre Pustza fahren, kann einem klar werden, warum aeltere Voelker die Sonne als einen Gott verehrt haben: Wer so unerbittlich und leuchtend grell auf die Erde scheint, kann unmoeglich sterblich sein. Meinen ungarischen Mitfahrer, Marton, quaelen noch immer die staatlichen Identifikationsschwierigkeiten mit dem seit der tuerkischen Eroberung nurmehr ein Drittel so grossen Staat. Ausserdem die zahlreichen Ungarn im Ausland, in der Ukraine, Rumaenien und Slowenien! Die Zigeuner, von denen ich hier im Balkan noch viel hoeren werde, sind auch in Ungarn nicht gern gesehen.

Ich stehe mit zwei Litauern am offenen Fenster des Zuges, als wir endlich in Belgrad ankommen. Es ist kurz vor zehn, wir sind um zwei Uhr nachmittags losgefahren. Der Bahnhof ist bei Nacht besehen ein schaebiger Bau. Westliche Herzen muessten hoeher schlagen, wenn sie das Hostel sehen koennten, in das mich ein Schlepper bringt, der auf just unseren Zug gewartet hat. Es ist sauber dort, mit gestaerkter, weisser Bettwaesche, moderner Kueche und 24/7 Reception. Mein Ostherz aber ist damit nicht zufriedengestellt, es hatte sich eine szenische Unterkunft gewuenscht, mit Lokalkolorit. Das kommunistische Treppenhaus und der guenstige Preis versoehnen mich mit dem Gaestehaus, und wenig spaeter geht es mit einer Truppe aus gutgelaunten Australiern und Englaendern erst zum Boerek-Essen an den Busbahnhof, dann in den einzigen geoeffneten Club am Ufer der Save, dessen laute Housemusik bis in die Altstadt heraufklingt und vor dessen Tuer sich die Belgrader Schoenheiten und auslaenische Gaeste in einer langen Schlange bis zu den Taxis aufreihen.

Jul 29, 2009

the happening world

Wir waren fast pünktlich auf unserer eigenen Party. Die Wolkendecke ist extra nochmal aufgerissen und wir bekamen einen klassischen Mauerpark-Abend, um sieben war erst wenig los und die Arbeitskollegen warteten schon ungeduldig, sassen auf ihrer OP-Decke und assen Antipasti, als wir mit den Grillsachen die Steppe an der Bernauer kreuzten. Es war ein glänzender Abend, voller überraschender Besuche und unerwarteter Gäste. Zuletzt, als durch das Dunkel noch eine bekannte Person und noch eine auftauchte, da war es für mich, als ob es kein Abschied wäre, sondern eher ein weiterer Schritt in dieser Folge von Treffen, Feiern, Partys. So aber war es dann, als die Erkenntnis kam, ein überaus besonderer Abend als Abschluss der Arbeit und gleichzeitig als Beginn von Urlaub, Reise, Wiederkehr.

Am Nachmittag davor auch noch eine schöne Geste von Apple höchstpersönlich erhalten: Der ungefähr ein Jahr alte Laptop-Akku stieg einst aus, und ich besorgte natürlich fix einen neuen. Der Groll war aber erst halb verflogen, bei Apple war ständig besetzt, erst gestern bin ich durchgekommen und habe zack eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Jetzt kann ich im Service-Geschäft meines Vertrauens entweder einen zweiten Akku gratis kriegen, oder, wenn die auch schlau sind, einfach 140 € zurück.

Jun 30, 2009

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Eines Nachts fahre ich wieder fort, bringe kurz einem Freund einen Schlüssel vorbei, ein letzter Moment Licht und die Verlockung der offenen Wohnungstür, dann die einsame Dunkelheit der Linienstrasse, die frisch aufgepumpten, neuen Schläuche meines Rads machen jede Unebenheit der Fahrbahn erlebbar. Ich fahre vorbei an den Kneipen, die etwas zu gut eingerichtet sind, um originell zu sein, deren Gast ich nicht sein möchte, nicht heute und nicht an einem anderen Tag. Ich fahre auch vorbei an den Spielstätten der Nacht, wo ich gerne einkehre, deren Bier ich gerne trinke, und zünde mir die nächste Zigarette an, just als ich links das Ballhaus vorbeiwischen sehe.

Ich denke, ich mag die Fahrradfahrer doch eigentlich, diese schweigenden Anderen, auf ihren Wegen, und schmunzle über meine nächtlichen Touren. Die Linden sind hellerleuchtet, wie ich es immer in Erinnerung habe, die Friedrichstrasse erlebt gerade die letzte Ebbe des Tages. Ich fahre leicht links, in ruhigen Strassen, nicke den Portiers zu, die sich zu Bentleys hinabbeugen. Ich fahre und fahre und durchpflüge die warme Nacht in einer neuen Richtung.

Jun 27, 2009

the happening world

Anstatt zum Amusement ins Olympiastadion zu fahren, könnte man einfach in diese Tropical-Islands-Vergnügungshalle im alten Cargolifter-Werk tuckern, oder zum Beispiel zur Fusion. So lange ungefähr dauert nämlich die Reise in den äusseren Westen der Stadt, dorthin, wo Stelen und arische Sportlermonumente Zeugnis ablegen von der architektonischen Geschichte Berlins. Für die Fusion war das Wetter etwas bescheiden, und so fuhr ich natürlich trotz der Fahrzeit zum Sommerfest, denn ich wollte mir die Sause nicht entgehen lassen. Es war dann auch ein prächtiger Anblick, den das Catering- und Event-Team und Bayer-Schering angerichtet hatte. Wir wurden über das Marathon-Tor ins Stadion hineingeleitet, so dass sich das hellerleuchtete Rund vor uns ausbreitete wie eine offene Auster. Oben auf der Treppe nahm ich erstmal einen Sekt, und am Fuss von ihr gleich noch einen. Für das leibliche Wohl sorgten unzählige Grillstände, Salat-, Hauptgang- und Dessertbuffets sowie Getränkebons, die man uns am Eingang verschwörerisch zusteckte. Auf den Tanzflächen des VIP-Forums wurde dann gegen zwölf auch schon mehr oder weniger enthemmt getanzt. Nach zwei, drei Weissweinen, einigen Bieren, einem Cosmo an der Merengue-Bar, guten Gesprächen mit meinen Arbeitskollegen und einem Lichtspektakel in der Arena verliess ich dann aber die Sportstätte, um mich dem freitäglichen Treiben in Prenzlauer Berg zu widmen. Natürlich wäre es toll gewesen, eine Frau aus der mittleren Führungsebene vom Marketing kennenzulernen.


Am nächsten Morgen ist es immer noch dieses unentschlossene Wetter, ich setze mich in mein Café und esse – noch etwas zittrig von der Nacht und dem Hunger nach Frühstück, die Beine müde vom Laufen, Treppensteigen, Trinken – das beste Müsli des ganzen Viertels. Michael Jackson ist auf dem Titelbild der Zeitung, er wird auch im Feuilleton hervorragend diskutiert. Ich skippe bis «Give in to me» und erinnere mich an die Booklets, die mit ihren enggedruckten Liedtexten wie kleine Fibeln der Musik und des ewigen Suchens nach einem perfekten künstlerischen Ausdrucks wirkten.

Jun 26, 2009

the happening world

Heute Abend lädt niemand geringers als mein Arbeitgeber zum Sommerfest in die VIP-Hallen im Olympiastadion. Eintritt leider nur mit Firmenausweis. Sorry Berliner, ihr müsst draussen bleiben - dort ist hoffentlich auch etwas los. Für morgen bürge ich:

Samstag, 27.6.: David Levine / Feinkost, Bernauer Strasse. via mail.

Sonntag wird wiedermal umgezogen. Wohnungsbegiessung ist in zwei Wochen. Dann, so hoffen wir, nehmen die Dinge einen geregelteren Lauf, dann kommen Möbel, ein Zwischenmieter für August/September (bei Interesse comment), eine Eingebung und natürlich jede Menge am Schreibtisch geschriebener Zeilen. Momentan findet das ja auf den Knien statt, oder im Café.

Das branding in Mitte geht weiter. In der Max-Beer-Strasse reibt sich der WeSC-Shop seit Mitte Mai ganz kollegial am ebenfalls schon leicht ergrauten Streetstyle-Label FREITAG aus Zürich. Ich konnte meinen Augen damals ja kaum trauen, als die anfingen, diese Einkaufstüten zu vermarkten. Wenn man aber mal gesehen hat, wie in Zürich mittlerweile fast jeder Fussgänger und Fahrradfahrer mit so einem Freitag-Messenger rumkurvt, war das vielleicht die einzige Idee, die wirklich Erfolg versprach.

Jun 9, 2009

Fast Berlin X

Erster Tag des Nichtrauchens. Und seit langem mal wieder ein Abend, der konsequent fürs Schreiben verwendet werden soll. Ausgerechnet heute aber spielt das Stammcafé Pop, wo sonst gute, leichte Abendmusik durch den Saal hallte, durch die gepolsterten Stühle und Sessel. Draussen, vor dem Fenster, liegen die Strassen in mattem Nacht-Schwarz, sitzen Leute in mattem Natrium-Orange, fährt und unterhält sich alles lautlos, weil innen die Musik dröhnt.

Die Fahrradfahrten durch die Stadt bekommen langsam einen prägenden Charakter. Es gibt die morgendliche Zur-Arbeit-Fahrt, in der linken Hand der Kaffee-to-go, in der Brusttasche der Werksausweis. Es gibt die Kurzfahrten zur Redaktion der FAZ in der Mittelstrasse, durch die ruhige Linienstrasse und für einige, lange Häuserblocks entlang der Gesetztheit von Mitte. Es gibt die Tourneen zum betahaus und immer erst spät wieder zurück, diese eine, lange Gerade, vorbei am Alexa und der Berliner Zeitung. Es gibt die nächtlichen Kreuzfahrten an die Friedrich- und andere Strassen und morgens verstrubbelt durch die Sonne zur Arbeit, es gibt die abendlichen (ja ich gebe es zu) Fitness-Fahrten zu den Arkaden und die sonntäglichen Trips zum Kino Babylon. Dort residiert das Berlin Projekt, eine neue Kirche für Berlins umliegende Stadtteile. Wer sich mit Kirche, Gottesdienst, evangelischer Praxis oder jungem und erfrischendem Glauben nicht auskennt, kann das jeden Sonntag von elf bis halb ein Uhr in einer unkomplizierten und für Neue offenen Atmosphäre nachholen.

Freitag ist Berlin interessant. Es gibt eine Ausstellung in Friedrichshain mit Interessierten, die ihre Lieblingsprojekte in kurzen Vorträgen erläutern und Exponaten darlegen. Link.

Schon etwas länger her ist die Finissage im Stadtbad Wedding. Es war eine an Englisch äusserst reiche Gesellschaft, was vielleicht ungewöhnich, in Galeristenkreisen aber üblich sein mag. Die Kabel-, Licht- und Toninstallationen in den bunkerartigen Korridoren wirkten verstörend, die Konzerte im Tanzraum waren angenehm skurril, die Bar war gewohnt langsam.



Jun 6, 2009

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Der Donnerstagabend im Betahaus begann gewohnt improvisations-lastig. Oder eigentlich wohl geplant, nur mit der den beta-Machern ureigenen Gelassenheit. Während auf dem Parkplatz nebst Grillbude schon der pinkfarbene dome stand und im Arbeitsraum auf der unteren Etage Design ausgestellt wurde, war die Einrichtung im Hinterhof noch unvollständig, als ich um kurz nach sechs ankam. An den Schreibtischen im dritten Stock wurde vereinzelt noch gearbeitet, ein Bild, das für das Agglomerat aus Kunst und Arbeit in der Prinzessinnenstrasse so typisch ist. Nach den Aufbauarbeiten stand dann auch die Aussenbar, die auf der Achse zwischen Café und Ausstellung lag, sowie die rote Engtanzhöhle. Heizpilze brachten die Kühle zum verschwinden. Das Konzept war gewohnt wohlüberlegt, und gegen zehn, elf Uhr tummelten sich immer mehr Menschen im café und auf dem Hinterhof und liessen sich von beiden Seiten beschallen.

May 30, 2009

the happening world

Kurze Ansage für die nächsten Tage: Montag ist übrigens Feiertag. Erfahre ich ja meistens erst ein paar Tage vorher, oder über Google. Google hat übrigens gerade die definitive Version von Gmail vorgestellt, sozusagen. Auf der I/O-Messe wurde Wave vorgestellt, eine Emailapplikation auf cloud-Basis, die in Realzeit und mit gadgetigen specials aufwarten kann. via Indiskretion Ehrensache

Wie weit Wave noch entfernt ist, habe ich nicht mitbekommen. Ich kann aber schon jetzt jedem Gmail empfehlen, oder Googlemail, wie es etwas sperrig seit Längerem heisst. Wenn man mal von der sehr Persönlichkeits-sensitiven Werbung absieht (da erscheinen Banner zu Dingen, über die ich mich höchstens in einem lauten Club mal im Flüsterton unterhalten habe), ist es ein komfortables onlinebasiertes Emailprogramm, das Outlook und Entourage komplett unnötig macht, Videochat bietet und auch annähernd live ist.

Im Juni ist ja Designmai. So muss «DMY» wohl gelesen werden. Die Messe findet verstreut über ganz Berlin statt, wie an vielen Orten (da, da, da) schon erwähnt wurde ist das betahaus eine prominente «extension», wie das in der Künstlersprache heisst. Es gibt Ausstellungen, Installationen in den Hinterhöfen, DJ, Getränke, abends Party. DMY-Startparty: 4. Juni, 22:00h, mit «Datsche hinten auf dem Hof». via betahaus

Am Tag davor, 3. Juni, gibt es ein sehenswertes Filmfestival an der selben Stelle. via berlin.unlike

Wieder einen Tag eher, 2. Juni, spielt der unglaubliche Scott Matthew in der Passionskirche in Kreuzberg. Man muss den Film «Shortbus» nicht gesehen haben, viele kennen den Sänger/Songschreiber ja woanders her, aber wer seine Stimme mal in ihrer zerbrechlichsten Form (nämlich bei «upside down») gehört hat, wird sich auf dieses Konzert freuen. via berlin.unlike

May 25, 2009

the happening world

Der Abend begann, wie so mancher Abend in Berlin beginnt – mit einem geänderten Konzertbeginn. Auf den Plakaten rund um den Prater war «21:30» übergeklebt worden, das Foyer war gefüllt mit Leuten, die trinkend warteten. Wir nutzten die Gelegenheit, es war ein schöner Abend, und tranken uns durch den Biergarten nebenan, den Mauerpark und die Oderberger. Die Vorfreude potenzierte sich. Es war eineinhalb Monate her, seit ich Noise in Mannheim erlebt hatte. Das neu eröffnete Volksbühnen-Surrogat im Prater mit seinem verschrobenen Inneren und dem cleanen Äusseren legte eine gute Ausgangsbasis für das Gegensätzliche des Konzerts, das uns erwarten sollte. Keine Ansprache diesmal, keine unnötigen Floskeln, stattdessen warteten wir in den gepolsterten Holzbänken und lauschten dem pseudo-arabischen Gesang aus den Ohrmuscheln des Sennheisers. Tatsächlich tauchten Koze und Mense Reents, sein sparring-Partner, dann aus der Tür hinter der Musikkontrolltafel auf, an ihr hing ein gelbes Schild mit der Aufschrit «Achtung Absturzgefahr». Koze begann dann auch gespielt griesgrämig und besser vorbereitet als im Planetarium Mannheims. Die Abrechnung hätten sie gerade gemacht, teilte er uns mit. Er hasse das ja, Scheine zu zählen und so. Und legte dann nach, dass er ja mit etwas Ungemütlichem anfangen müsse, der Heimfahrt vielleicht, oder eben der Abrechnung, so dass wir uns danach richtig geläutert fühlen würden, wenn erstmal die Musik begänne. Die Musik begann dann auch, in den Grundzügen identisch wie in Mannheim, mit dem tollen «Jura ist wie Sport» Sprechtext. Von dieser furchtbar weichen Frauenstimmte fühlten wir uns angesprochen wie beim ersten Mal. Und wurden geläutert wieder und wieder, von den wunderschön weitläufigen Klangebenen, beruhigender Schwebe-Musik, die fein gemischt wurde. Nur Mense hatte gelegentlich etwas auszusetzen, woraufhin Koze und er sich zankten, ihr Disput nahm wie selbstverständlich den Weg über unsere Kopfhörer. Sie turnten auch auf den 16 Quadratmetern herum, die ihnen als Bühne dienten, Mense tat sich fleissig darin, die Stehlampen rechts und links des Mischpultes an- und auszuschalten (Koze: «Symmetrie ist die Kunst des kleinen Mannes»), Koze selbst begnügte sich mit den Puppen, die vor ihm standen, aus deren Inneren er Scooter-Musik erkingen liess und deren grüne Augen er zum Leuchten brachte. Auch seine «Hausmusik» war Bestandteil des Konzertes und Noise/Koze erläuterte ausführlich dazu, der Song «Ich hab Angst» war klares Highlight, neben dem «36-Stimmen-Mann» (der sogar anwesend war) und Matias Aguayos «minimal». Koze wandelte zwischen dem Konzert, den Tönen, seinen Improvisationen (und insbesondere denen von Mense) und der Interaktion mit dem Publikum, als hätte er es irgendwo sehr lange geübt. Wir fragen uns natürlich: wo?? Während seiner Hip-Hop-Zeit, die im Vergleich zu dem jetztigen Schaffen wie eine zweizeilige Präambel wirken muss? Wir waren auf jeden Fall positiv überrascht von den Werken, es hatte den Eindruck, als wollte Koze nicht aufhören, weder mit der Musik noch mit den schmunzelnd vorgetragenen Beschimpfungen an seine Hörer und Bewunderer im Saal:

«Wir werden hier dasselbe runterrattern wie wir schon vor einem Jahr in Berlin gespielt haben... und wenn ich mir eure rustikalen Gesichter so ansehe, dann kann ich daraus lesen, dass da gar nichts von hängengeblieben ist...»

Auch nach dem unvermeidlichen Stück «Zuviel Zeit», dessen Ost-West-Thematik zu Berlin passt, konnte Koze es sich nicht verkneifen, das Gegensätzliche an solchen Auftritten hervorzuheben, dass er als Künstler ja soviel schwitzen müsse, bis er nurmal die Fixkosten wieder drinhabe, während wir Zuhörer danach ja sofort zum nächsten Event weitersprinteten, zu Moderat etwa, oder in den «Panoramahain». Lustvoll lachte das Publikum über die Vorwürfe. Es war vergnüglich, die Gastschar begeistert und auch die Hardware funktionierte wie sie sollte. Ob Koze jetzt wieder ohne Mac arbeitet?

Anspieltipps:
Koze aka Noise: M.I.S.S. UFO ’72, Zuviel Zeit?, Bäume strahlen Stress aus, Amerikas Funniest Sound Effects / Wo die Rammelwolle fliegt
Adolf Noise: Five N / Wunden, S. Beine offen
Tocotronic: Kapitulation / Kapitulation


Apr 29, 2009

Senn heisst er

Ich dachte ja, wir würden unter den riesigen Kastanienbäumen draussen sitzen, mit übergezogenem Kopfhörer, und quasi open air erleben. So etwas habe ich mal von London gehört, dort gab es schon vor einigen Jahren diese headphone-clubs, in denen die Besucher jeder für sich die Erzeugnisse des DJs per Stream empfangen können und es für einen unverkabelten Ausstenstehenden so aussehen muss, als ob die Tänzer in die Stille hinein ein Schattenballett aufführen.

Aber: nein, wir werden nicht draussen sitzen, sondern in dem seltsamen, aus schlichtem Sperrholz gezimmerten Vorbau des Praters, in dem man sich ein wenig fühlt wie in einem Expo-Pavillon.

Apr 28, 2009

Fast Berlin II

Gestern hatte ich Jetlag. Die Strecke Mannheim-Berlin spulte sich unter mir ab wie ein Laufband, ich musste willentlich Pausen machen, sonst wäre ich vermutlich einfach weitergefahren und irgendwo in Brandenburg oder MeckPomm gelandet. Für meine staugeplagte Seele war das dann auch zu schnell, die kam nicht so ganz mit und fand sich erst gegen zwei Uhr nachts in der Wohnung ein, wo der Körper vom Kistentragen wie tot schon im Bett lag. Es ist Sonne, es gibt gutes Essen und erste Radtouren durch die Viertel. Auch der Vertrag für die nächsten drei Monate ist unterschrieben:

«Ihr Tarifentgelt richtet sich nach dem für Berlin (West) geltenden Entgelttarifvertrag und beläuft sich auf ...»

Ich bin also angekommen im Westen /im Osten /im Norden. Die Abende sind lang in der Hauptstadt, es gibt viel zu erleben. Nachfolgend einige Stationen:

-Aufgrund der derzeitigen Erwerbslosigkeit kommt die Suppenküche, die sich gerade um die Ecke befindet, gerade recht. Immer dienstags, Prenzl'Allee 242. Via iHeartberlin.

-Ist das zu fassen? Die vielbeschäftigten New Yorker Fischerspooner sind wieder in Europa. Kaum zu glauben, dass die es schaffen, neben ihrem Experimentaltheater in Big Apple auch mal wieder über den Teich zu performen. Kenne die neue CD zwar noch nicht, aber allein die Erinnerung an ihren Auftritt an der Streetparade 2005 in Zürich zieht mich hin. Mittwoch 29.4. 2100 im Lido. Via unlike.

-Rodeorodeo. Donnerstag gibts dort Drei Gänge für 12 Euro und gelegentlich witzige Veranstaltungen dazu. Vorreservieren und speisen! Auch via iHeartberlin.