Der Winter war längst vorüber. Was dann kam, war Sonnenschein und die Illusion, man könnte im Tshirt hinausgehen. Wir probierten es und fanden uns nach einigen Tagen doch wieder abwechslungsweise fröstelnd und schwitzend in den abgedunkelten Räumen der Cafés wieder. Wenn die Fenster geschlossen waren, erzeugten die bullernden Öfen und die Gluthitze der Zigaretten im Raucherraum eine Luft, in der jegliches Eis in unserem Campari Soda sofort zu lauwarmen Wasser wurde. Waren die Fenster geöffnet, zog es uns kalt zwischen den Beinen durch. Wir waren das Leben im Inneren langsam satt und sehnten uns nach Spaziergängen im Treptower Park. Manchmal, wenn wir es gar nicht mehr aushielten, liefen wir die Duncker hinauf bis zur Brücke über die S-Bahn-Schienen, denn von dort aus konnte man wenigstens ein kleines Fenster Horizont erkennen.
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Mar 9, 2010
Mar 7, 2010
the happening world
Es war der sechste Samstag in Folge und das Gefühl, zwischen Arbeitswoche und Sonntag zu stehen, leierte mich langsam aber sicher aus. Ich stand zwischen Arbeitspflichten und dem Wunsch, mich gehen zu lassen und mich auf das Kommende vorzubereiten. Um mich herum passierten die verrücktesten Geschichten, Freunde und Mitbewohnerin gleichermassen muteten mir die neuesten wilden Entwicklungen in ihren Leben zu, verlangten Rat von mir und Verständnis, wo ich einfach nur Feierabend haben wollte und überdies mit dem Nachvollziehen der stories überhaupt nicht hinterherkam. Ich verspürte das tiefe Bedürfnis, diesen Planeten zu verlassen und auf einen anderen zu ziehen, weil alles zuviel war. Es war das Gefühl, dass die Moderne, die verrückte, falsch-gerichtete und kurzsichtige moderne Welt mich überrollte und ich nicht mehr Schritt halten mochte.
Eine Freundin holte mich in Charlottenburg ab und gemeinsam gingen wir ins Schwarze Café, wo wir die gefühlten nächsten 10 Stunden verbrachten. Dieser Ort ist immer gut, wenn man nicht zeitreisen will, sondern wie in einer Zeitkapsel eingesperrt verweilen will, die wechselnden Gäste, das Personal, sie alle warfen uns gutmütige Blicke und kokettierende Sätze zu, während wir unseren Kaffee tranken und Suppe löffelten. Wir waren die Ausgelaugten der Nacht, hatten kaum geschlafen und fühlten uns gebeutelt vom Leben und den Umständen. Wir betrachteten den Schnee, der in dicken Flocken fiel, bestätigten uns gegenseitig, dass wir mit dem Leben mithielten, zahlten dann und fuhren zum Alex. Die Menge in den S-Bahnen und Geschäften hatte weiter zugenommen, dabei war schon beinahe alles geschlossen, als ich endlich wieder die Prenzlauer Allee hinauffuhr und nach Hause ging.
Eine Freundin holte mich in Charlottenburg ab und gemeinsam gingen wir ins Schwarze Café, wo wir die gefühlten nächsten 10 Stunden verbrachten. Dieser Ort ist immer gut, wenn man nicht zeitreisen will, sondern wie in einer Zeitkapsel eingesperrt verweilen will, die wechselnden Gäste, das Personal, sie alle warfen uns gutmütige Blicke und kokettierende Sätze zu, während wir unseren Kaffee tranken und Suppe löffelten. Wir waren die Ausgelaugten der Nacht, hatten kaum geschlafen und fühlten uns gebeutelt vom Leben und den Umständen. Wir betrachteten den Schnee, der in dicken Flocken fiel, bestätigten uns gegenseitig, dass wir mit dem Leben mithielten, zahlten dann und fuhren zum Alex. Die Menge in den S-Bahnen und Geschäften hatte weiter zugenommen, dabei war schon beinahe alles geschlossen, als ich endlich wieder die Prenzlauer Allee hinauffuhr und nach Hause ging.
Feb 17, 2010
the happening world
Was macht eigentlich jemand, der vor lauter Beschäftigung mit Quantenmechanik und Festkörperphysik des abends fantasiert, sein Freundeskreis bestehe letztlich nur noch aus den Granden ehemaliger deutscher handfester Forschung: Planck, Einstein, Volmer, Hückel. Richtig, er geht Bücher kaufen. Unter den zart-sakralen Klängen des polnischen DJ-Bruders Jacaszek und der Sonne, die für einmal Berlin einheizt und die Eis-Schmelzzeit einläutet, gehe ich los, um Lektüre zu besorgen: Der grosse Kolumnist Hans Zippert (jetzt in der «Welt», aber was solls) hat voriges Jahr ein Buch herausgebracht, in dem handverlesen die besten seiner Stücke aneinandergereiht sind. Obwohl ich soetwas immer sehr gewollt finde (die Hauruck-Humor-Technik hat etwas unbestimmt Martenstein-Süddeutsches), kann ich nicht umhin, mich nach einem Lacher in den letzten Lerntagen zu sehnen. Zum Beispiel diesem hier:
«Seit Jahren wird in Deutschland beklagt, Ausländer würden sich oft abkapseln, sie lebten isoliert in eigenen Stadtteilen. Doch es ist sogar noch viel schlimmer: Ausländer leben sogar völlig von Deutschland isoliert in eigenen Staaten.»
«Seit Jahren wird in Deutschland beklagt, Ausländer würden sich oft abkapseln, sie lebten isoliert in eigenen Stadtteilen. Doch es ist sogar noch viel schlimmer: Ausländer leben sogar völlig von Deutschland isoliert in eigenen Staaten.»
Jan 3, 2010
the happening world
Meine Mitbewohnerin sagt: «Du klingst wie ein 70jähriger Opa!»
Und das, bloss weil ich an einem Sonntag, dem letzten Ferientag immerhin, geäussert habe, dass es ein super Tag sei und ich einen Spaziergang machen möchte. Kurze Zeit später wird sie mir vorschwärmen, dass sie die Sonne und das Meer im nahen Osten sosehr vermisst, sich mit dem Winter in Berlin zwar arrangieren kann, aber eben, das Meer...
Bei solchen Träumereien bin ich für meinen Pragmatismus dankbar, so opahaft er auch sein mag. Was für eine Zeitverschwendung, sich in ein Zimmer mit offenen Fenstern und Meerblick zu wünschen, wo man der saudade frönen kann. Wieviel nüchterner meine Herangehensweise, die Laune auf südliche Länder für den Urlaub aufzusparen, und sich erstmal im Winter zurechtzufinden. Wir haben genug zu lesen, ein prächtiges Abendessen vor uns, und gerade klart es mal wieder auf. Aber so läuft das eben nicht in Deutschland, und vor allem nicht in Berlin: Es muss schon Fernweh sein, am liebsten einmal morgens, mittags und abends, vermischt mit der Verkündung des Mangels der halb-kontinentalen Wohnlage hier. So stand es einst auch in der ehemaligen Kunstzeitung Liebling. «Die Deutschen wollen sich ihre perfekte Welt zurechtträumen, herbeimoralisieren.» Einfach dort hinzufahren, wo es sie möglicherweise gibt, kommt nicht in die Tüte.
Und das, bloss weil ich an einem Sonntag, dem letzten Ferientag immerhin, geäussert habe, dass es ein super Tag sei und ich einen Spaziergang machen möchte. Kurze Zeit später wird sie mir vorschwärmen, dass sie die Sonne und das Meer im nahen Osten sosehr vermisst, sich mit dem Winter in Berlin zwar arrangieren kann, aber eben, das Meer...
Bei solchen Träumereien bin ich für meinen Pragmatismus dankbar, so opahaft er auch sein mag. Was für eine Zeitverschwendung, sich in ein Zimmer mit offenen Fenstern und Meerblick zu wünschen, wo man der saudade frönen kann. Wieviel nüchterner meine Herangehensweise, die Laune auf südliche Länder für den Urlaub aufzusparen, und sich erstmal im Winter zurechtzufinden. Wir haben genug zu lesen, ein prächtiges Abendessen vor uns, und gerade klart es mal wieder auf. Aber so läuft das eben nicht in Deutschland, und vor allem nicht in Berlin: Es muss schon Fernweh sein, am liebsten einmal morgens, mittags und abends, vermischt mit der Verkündung des Mangels der halb-kontinentalen Wohnlage hier. So stand es einst auch in der ehemaligen Kunstzeitung Liebling. «Die Deutschen wollen sich ihre perfekte Welt zurechtträumen, herbeimoralisieren.» Einfach dort hinzufahren, wo es sie möglicherweise gibt, kommt nicht in die Tüte.
Dec 30, 2009
the happening world
Nachweihnachtliche Momente III
Die weissen Hemden wiegen sich leicht im warmen Luftstrom, der von der Heizung hinauf zur Vorhangleine steigt, an der sie hängen. Es schneit wieder. Von den vielen Weihnachtsessen pappsatt und mit neugekaufter Hose, Hemd und Schal sitze ich inmitten der Arbeit, die nun ansteht, und denke an die feierlichen Anlässe, die dieser Urlaub noch bieten wird, bevor der Uni-Alltag wieder losgeht und mein persönliches Pilotprojekt politischer Bildungsarbeit seinen ersten Härtetest bestehen muss. Weihnachten ist lange her und die ICE-Fahrt nach Hamburg ein Reisetraum, längst vergangen. Es ist die Zeit zwischen den Jahren, in der nichts mehr so recht für 2009 getan werden kann, aber keine Handlung für 2010 zählen kann.
Die weissen Hemden wiegen sich leicht im warmen Luftstrom, der von der Heizung hinauf zur Vorhangleine steigt, an der sie hängen. Es schneit wieder. Von den vielen Weihnachtsessen pappsatt und mit neugekaufter Hose, Hemd und Schal sitze ich inmitten der Arbeit, die nun ansteht, und denke an die feierlichen Anlässe, die dieser Urlaub noch bieten wird, bevor der Uni-Alltag wieder losgeht und mein persönliches Pilotprojekt politischer Bildungsarbeit seinen ersten Härtetest bestehen muss. Weihnachten ist lange her und die ICE-Fahrt nach Hamburg ein Reisetraum, längst vergangen. Es ist die Zeit zwischen den Jahren, in der nichts mehr so recht für 2009 getan werden kann, aber keine Handlung für 2010 zählen kann.
Dec 21, 2009
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Weihnachtliche Momente II
Krähenschwärme des nachts, die sich in den kahlen Bäumen nahe der grotesk beleuchteten Volksbühne sammeln. Das unverfälschte Gefühl von echtem, frischen Denim, den ich in einer Umkleidekabine eines Geschäfts auf der Kastanienallee meine Beine hochstreife. Eine mélange aus Briefeschreiben, Bücherlesen und Musik hören zuhause, der nächste Termin ist Tage entfernt.
Krähenschwärme des nachts, die sich in den kahlen Bäumen nahe der grotesk beleuchteten Volksbühne sammeln. Das unverfälschte Gefühl von echtem, frischen Denim, den ich in einer Umkleidekabine eines Geschäfts auf der Kastanienallee meine Beine hochstreife. Eine mélange aus Briefeschreiben, Bücherlesen und Musik hören zuhause, der nächste Termin ist Tage entfernt.
Dec 12, 2009
the happening world
Nieselregen, Klavierspiel aus der Wohnung über mir, Klausur am Montag, Erholen vom Adventsdinner gestern: Jawohl, Schreibtisch im Balkonzimmer aufbauen und ein gemütliches Wochenende machen in der 2raumwohnung.
Dec 9, 2009
the happening world
Endlich zurück zu wirklich fundamentalen Dingen und Fakten abseits von Zuwanderungsproblemen und gestörter Befindlichkeit: Auf starke-meinungen gibt es einen interessanten Kommentar zu der Klima-Hysterie, die in Kopenhagen gerade zu erklecklichen CO2-Emissionen führt (via politikplatschquatsch). Die Erkenntnisse, die der Email-Hack bei den Klimaforschern in England zutage gefördert hat, sind nur das jüngste Zeugnis einer wachsenden Aufmerksamkeit, die die Blogger und Bürger der Politik und den Medien entgegenbringen. Mich erschreckt selber, mit welcher unkritischen Art ich Informationen aus der Klimaforschung aufnehme, wo ich doch das Hinterfragen als grundlegende Technik in meinem Studium lerne und anwende. Vielleicht zeigt die ständige Beschallung durch Greenpeace und WWF sowie die deutsche Gründlichkeit in Aufarbeitungsfragen langsam eine Wirkung. Wie dem auch sei; CO2 ist das Waldsterben von heute, nein, schlimmer, das Waldsterben der nächsten Generation: Global im Ansatz, global in der Umsetzung und finanziell auf einem Niveau, das locker auf Augenhöhe mit bei der Finanzkrise eingedampften Hedge-Fonds-Summen liegt. Dass eine Technologieentwicklung stattfindet, die abseits der fossilen Ressourcen zur Anwendung kommt, ist vielleicht das Beste daran. Zu dem Schluss, dass es für eine ernsthafte Umsattelung auch langsam Zeit wird, könnte man allerdings auch kommen, indem man sich einfach mal die Verknappung dieser Rohstoffe in den nächsten 100, 200 Jahren überlegt. Aber nein, die Endlichkeit von Erdöl und Gas sind nicht der Grund, weswegen jetzt beispielsweise Renault gleich eine ganze Flotte von Null-Emissions-Autos vorgestellt hat, die 2011 auf dem Markt sein sollen. Klimaschutz ist Mode geworden, und daran sind die Politiker dieser Ressorts nicht unschuldig. Dabei haben sie ihre ureigenen Beweggründe, wie Klaus Kocks zeigt: «Die ganze politische Klasse hat gelernt, dass sich auf dem Klimaticket gut reisen lässt. Die Pressesprecherin von Lothar de Maiziére ist so Kanzlerin geworden, und der von Schröder geschnittene Harzer Roller Sigmar Gabriel Parteivorsitzender; nun also Röttgen, der sich so davor schützt, als Lobbyist beim BDI dienen zu müssen.» Ihre berufliche Ereiferung hat auch gute Seiten, wie Renault eindrucksvoll beweist. Und ganz nebenbei kommen die Autohersteller mit ihrer massiven Umrüstung völlig unbemerkt an der Frage vorbei, warum sie das Programm nicht eher in Angriff genommen haben.
Dennoch bleibt bei der ganzen Diskussion die Legitimierung unangesprochen. Ist CO2 am Klimawandel schuld? Nützen die Techniken, die wir dagegen aufbringen? Halb durch den Kommentar gelesen, schreibe ich einem Bekannten, der Seminare zu Nachhaltigkeit organisiert und das Ganze in einen persönlich-emotionalen, spirituellen Rahmen stellt. Er sollte diese Unschlüssigkeit, die die ganze Chose mit sich bringt, als Motor für seine Arbeit nutzen. Die Sinnfrage von Klimaschutz ist hinfällig, wenn Nachhaltigkeit das Ziel ist.
Zwei Zeilen später ist der Autor auch bei dieser Erkenntnis.
Dennoch bleibt bei der ganzen Diskussion die Legitimierung unangesprochen. Ist CO2 am Klimawandel schuld? Nützen die Techniken, die wir dagegen aufbringen? Halb durch den Kommentar gelesen, schreibe ich einem Bekannten, der Seminare zu Nachhaltigkeit organisiert und das Ganze in einen persönlich-emotionalen, spirituellen Rahmen stellt. Er sollte diese Unschlüssigkeit, die die ganze Chose mit sich bringt, als Motor für seine Arbeit nutzen. Die Sinnfrage von Klimaschutz ist hinfällig, wenn Nachhaltigkeit das Ziel ist.
Zwei Zeilen später ist der Autor auch bei dieser Erkenntnis.
Oct 25, 2009
the happening world
«Krise, welche Krise?» hallt es immer und immer wieder durch die Traumarchitektur in einer Samstagnacht, in der ich umherirre. Die Krise ist in der Traumwelt angekommen, aber sie hat hier keine wirtschaftlichen Indikatoren, durch die sie zum Ausdruck kommen könnte, es gibt keinen Export und keine Industrie, alle Produktion ist materielos und die Seile und Ketten, die die Traumwelt an der richtigen Welt festmachen, sind Einbildungen. Die Zeiger der Traumzeit sind Büschel aus Trollhaaren, die sich in den Traumuhren drehen, vorbei an Ziffern, welche ihren Wert von Stunde zu Stunde ändern. Nein, es gibt keine Krise. «Ja, welche Krise?», frage nun auch ich, als ich mir der Sinnlosigkeit dieses Wortes bewusst werde, ich versuche mir vorzustellen, wie ein ganzes Heer aus Traumkämpfern dieses Refugium gegen die Widrigkeiten einer realen Welt verteidigt, und ich reihe mich ein. «Deine persönliche Krise!» kommt aber schon die Antwort, sie hallt fortan durch alle Gänge, in allen Räumen und Hinterhöfen der Traumarchitektur.
In den Morgenstunden eines Sonntags mischt sich die Erinnerung an die Warnung langsam in das Gefüge der Realwelt, zwischen die Regentropfen und die Dielen am Boden. Langsam und behutsam dringt der Hinweis in diesen Raum ein, legt sich auf die hölzernen Tatsachen (die Exporte stabilisieren sich) wie der Kaffee, der durch den Milchschaum fliesst und auf der Milchschicht am Boden des Glases zu Liegen kommt. Die persönliche Krise ist butterweich eingepackt zwischen warmer Sojamilch und dem Schaum darüber.
In den Morgenstunden eines Sonntags mischt sich die Erinnerung an die Warnung langsam in das Gefüge der Realwelt, zwischen die Regentropfen und die Dielen am Boden. Langsam und behutsam dringt der Hinweis in diesen Raum ein, legt sich auf die hölzernen Tatsachen (die Exporte stabilisieren sich) wie der Kaffee, der durch den Milchschaum fliesst und auf der Milchschicht am Boden des Glases zu Liegen kommt. Die persönliche Krise ist butterweich eingepackt zwischen warmer Sojamilch und dem Schaum darüber.
Jan 15, 2009
Wir nannten es Arbeit XII
Zurück aus Berlin erwarteten mich auch in Mannheim eisige Temperaturen, wenn auch nicht so frostig wie im Norden. Der erste Weg zur Arbeit nach dem Urlaub ist kalt. Im Werk hole ich mir an der Kleiderausgabe sofort lange Unterhosen und Unterhemden. Keine zwei Tage später wird eine Alarmmeldung in allen Gebäuden ausgegeben, dass Eisregen droht und man die Zweiräder tunlichst stehenlassen solle und besser die Busse benutzt. Die Durchsage habe ich allerdings verpennt, weil ich erst um halb zehn, zum zweiten Frühstück, ins Labor kam. Der Eisregen ist weniger schlimm als erwartet, es liegt aber eine geschlossene Schneeschicht und ich fahre vorsichtig. Die BASF, für die die Unfallstatistik fast ebenso wichtig ist wie das Ergebnis vor Steuern, möchte uns Fahrradfahrer natürlich von der Strasse haben, da bei Unfällen schnell Verletzungen passieren. Dabei ist der motorisierte Werksverkehr eigentlich dafür verantwortlich, dass wir uns Blessuren holen. Ich schaffte es bis zum Werksausgang unfallfrei und schlitterte erst in Mannheim, auf dem Weg zur Post, beinahe in eine Ampel und in den fliessenden Verkehr.
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