Sep 29, 2009

Fast Sarajevo XXVI

Kotor, 11. IX

Ich erreichte Montenegro und die erste groessere Stadt nach der Grenze mit der Ungeduld eines Reisenden, der unbedingt noch vor Sonnenuntergang ans Meer und in ein Hostel in Bar, Tivat oder Kotor moechte. Die Touristen, die hier vereinzelt noch herumliefen, hatten groesstenteils Wanderstoecke an ihre Rucksaeche geschnallt; mein Ausflug in der Bergwelt zum Wandern sollte allerdings erst nach dem Besuch der Kuestenstaedten stattfinden.

tracking with close-ups

Spaete Bilderschau, Serbien.

Bei jedem Kaffee: Wir lernen das kyrillische Alphabet.


Quizfrage in Belgrads Festungsruinen: Wohin schaut diese Statue? (kinderleicht: nach Oesterreich und Ungarn, mit aggressivem und warnenden Blick. laut Rebecca West)


Gehen Sie nicht ueber "LOS": In Nis fuehren die Wege ueberall hin, und eine Entscheidung muss her: Zueruck in Belgrad Clubs, Bulgarien, Kosovo oder direkt Mazedonien?


Dann doch Pristina aka. "Fast Serbien".

the happening world

Fuer die Schweizer ist die heisseste Frage in dieser Jahreszeit, von wem sie kuenftig verbale Drohungen hinnehmen muss. Bange titeln die Zeitungen: Wer wird Finanzminister? Solms oder zu Guttenberg?

Sep 28, 2009

the happening world

Es reicht gerade fuer ein kurzes Telefonat mit Berlin, von wo aus ich, entgegen anderslautender Voraussagen, vernehmen kann, dass es doch Schwarz-Gelb geworden ist. Thierse sieht geknickt aus, auf seiner Homepage. Der Montag faengt langsam an, Substanz zu kriegen. "Irgendetwas werden wir heute schreiben muessen, zu den Wahlen, damit 'was in der Zeitung steht", kommt es durch die Leitung.

Die erste Dusche im Westen.

edit: Und Titanic hat nicht ganz unrecht, wenn sie berichtet: "Sensation in Berlin: SPD knackt 5-Prozent-Huerde!"

Fuer alles weitere: Vysotsky

Sep 26, 2009

Fast Sarajevo XXV

Tirana, 11. 09.

Wieder zurueck im Blloku pendelten Mika und ich zwischen den Bars, die mir noch vertraut waren. Hinter schweren Eisentoren standen Waechter in Khaki, Kalaschnikows unter dem Arm, grimmige Gesichter, die unter Schirmmuetzen hervorlugten. Einen Blick auf die Maenner erhaschte man bloss, wenn gepanzerte Limousinen und Jeeps jene Anwesen verliessen, die solche Tore noetig hatten. Auf der Dachterrasse des "LivingRoom", in den halbdunklen, verschnoerkelten Raeumen in den Etagen darunter, im Garten des Folié mit seinem holzgetaefelten, theateraehnlichen Interieur und den pseudo-steinernen Bloecken voll von Ornamenten, auf denen die Bar ruhte, rammten wir uns in die Polster, die wir dort fanden und fuehlten uns umarmt von der Stadt und ihrem Rhythmus. An den Tischen neben uns sass ein Publikum, dessen Freizuegigkeit wir in den kleineren Staedten Albaniens vermisst hatten. Postmodern. Dralle, zurechtgemachte Damen sassen auf dem Schoessen von Maennern, kurze Roeckchen flatterten durch die Nacht, hautenge Jeans wurden von ihren Traegerinnen die schmalen Treppen hinaufbemueht. Die eckigen Lederhandtaeschchen fuer Maenner - haeufig zu finden in Europas Osten und Sueden - wurden hier gerne ueber die Schulter getragen, die Gesichter waren breit, hart, dunkle Augen lagen unter einer hohen Stirn. Wir tranken viel und rauchten viel, wir wollten die Gedanken an die Busfahrt hierher aus unseren Koepfen verbannen, und auch die Gedanken an den Aufbruch am naechsten Tag, und ueberhaupt alle Gedanken, die von anderen Orten und einer anderen Zeit handelten und andere Leute beinhalteten als uns beide.

Wir gingen zurueck zum Hostel, als das Geraeusch des Stuehlerueckens immer mehr zu vernehmen war zwischen dem Laerm der Konversationen, und wir fuerchteten, dass es bald daemmern wuerde. Wir verbrachten noch eine lange Zeit auf den Sofas in der Pergola des Hostels, im nunmehr stillen Innenhof, umgeben von dem schlafenden Gebaeude, ueber uns, vorbei am Geaest der Limonenbaeume und Weintraubenranken sahen wir bloss den stahlgrauen Himmel der spaeten Nacht, und die unheimlichen Silhouetten der Wohnblocks nicht weit von uns, Reihen ueber Reihen von kleinen, zellaehnlichen Balkonen, von denen einige noch erleuchtet waren.

Sep 25, 2009

the happening world

The road is always better than the inn. /Cervantes.

Sep 23, 2009

noch'n Gedicht/Tag

aus: Planet Sarajevo - Abdulah Sidran

I saw a little girl,
On planet Sarajevo,
In the park which was not there
Picking up flowers that were not there!

Death is a thorough reaper,
In vain the girl's tear,
In vain every
Prayer for peace!
In the universe
-its name is Bosnia -
A little girl,
With the hand which she has not,
Picks up the flowers which are not!

the sound fuer zwischendurch




SCH - Eat this.

Fast Sarajevo XXIV

Tirana. 10.09.

Der Fahrer des Taxis, das uns in die untere Stadt brachte, hatte gute Augen und sah den Bus nach Tirana von Weitem, wie er gerade in die Hauptstrasse einbog und aus Gjirokastra preschte. Etwas ausserhalb der Stadt hatten wir ihn eingeholt, das empoerte, aber nicht boese gemeinte Hupen der vorbeifahrenden Autos begleitete unseren Umsteigevorgang, dann die sechsstuendige Fahrt durch das Tal und ueber leicht bergiges Terrain zurueck in Richtung Hauptstadt. Ich schlief. Der Geruch von Rohoel weckte mich, in einigen Gebieten hier war frueher Oel gefoerdert worden und ganze Landschaftsstriche und Gewaesser waren schwarz davon, teilweise demontierte, kleine Oelbohrtuerme zierten die Gegend wie wahllos gewachsene, seltsame und extrem geometrische Baeume. Zureck im "Hotel Mama" bei Claas und Lira wurden wir herzlich begruesst, wir nahmen uns ein Zimmer und machten uns auf den Weg zu den Kernačka-Buden, die in ehemaligen Garagen eingerichtet waren, wo der Mann am Grill freudig Tisch und Stuehle fuer uns zusammenschob und uns koeniglich bewirtete.

1 Gedicht/Tag

und: in englisch!

fires of sarajevo

Inhabitants of one room conserve even the smoke and ash as if it had arisen from an oracular hearth: they are burning the libraries to keep warm.

A man stands, a book in either hand weighing words in terms of fire; will Donne keep him hotter on the hearth or on the shelf?

Some books are a pleasure to burn; Karadvic's bad poetry ...

Mary Tutwiler